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Produzenten

Faude feine Brände – Hausbrennerei am Kaiserstuhl

Stephan
Florian Faude von Faude feine Brände in seiner Brennerei in Bötzingen am Kaiserstuhl

Bötzingen liegt am Südrand des Kaiserstuhls, zwischen Reben, Streuobstwiesen und den Feldern der Oberrheinebene. Hier brennt Florian Faude seit 2006 Obstbrände, Geiste, Liköre und inzwischen auch Whisky. Hier erfährst du, warum bei Faude feine Brände alles mit der Frucht beginnt, wie aus einer Salatgurke ein Geist wird und was ein Bötzinger Roggenfeld mit Whisky zu tun hat.

Brennerei von Faude feine Brände mit kupfernen Brennblasen, Kolonnen und blauen Maischefässern

Alles auf Anfang in Bötzingen

Im Jahr 2006 ist Florian Faude 22 Jahre alt und, so erzählt es seine Website, ernsthaft verliebt: ins Draußensein, in den Kaiserstuhl und in die Früchte vor seiner Haustür. Der gelernte Winzer tauscht die Reben gegen Streuobstwiesen, forscht nach alten Sorten und gründet in Bötzingen seine Hausbrennerei. Sein Grundsatz steht bis heute über allem, was er brennt: „Jedes Destillat beginnt am Baum, am Strauch oder auf dem Feld. Denn, was sich im Glas zeigt, muss die Frucht schon in sich haben.“

Etwas handfester formuliert es Faude auf der Seite über seine Produkte: „Wenn du vorn nichts Gescheites reintust, kann hinten nichts Gescheites rauskommen!“ Neunzig Prozent der Qualität, sagt er, mache das Ausgangsmaterial. Deshalb nennt er bei fast jeder Flasche, woher die Früchte stammen, oft sogar die Sorte und den Bauern dahinter. Die Brennerei bezeichnet sich selbst als kleine Manufaktur, die immer nur kleine Mengen herstellt.

Brand oder Geist: zwei Wege zum Destillat

Bei Faude stehen zwei Verfahren nebeneinander. Für einen Brand werden vollreife, zuckerreiche Früchte vergoren und die Maische gebrannt, der Alkohol stammt also aus der Frucht selbst. Für einen Geist setzt Faude ein Stück Natur in reinem Getreidealkohol an und destilliert es nach kurzer Zeit ab. So gelangen nach seinen Worten nur klare Noten ins Destillat. Was an Zeit fehlt, gleicht er mit einer großen Menge Früchte aus.

Klassiker aus dem Markgräflerland und vom Kaiserstuhl

Mit der Kirsche beginnt jedes Jahr die Brennsaison. Für den Kirschbrand verarbeitet Faude die Sorten Dollenseppler oder Schwarze Königin von Hochstammbäumen im Markgräflerland. Er beschreibt ihn mit leichten Steinaromen und viel dunkler Schokolade in der Nase. Die Birnen für die Williams Christ Birne wachsen in einem kleinen Seitental im südlichen Markgräflerland, sie werden vollreif geerntet und am Hof von Hand sortiert. Die Mirabelle ist eine Mirabelle aus Nancy vom Kaiserstuhl, die in mehreren Durchgängen aufgelesen wird, sobald sie goldgelb ist und eine rote Backe hat.

Gurke, Rote Bete und Fichtensprossen

Bekannt geworden ist Faude auch mit Geisten, die anfangs belächelt wurden. Der Gurkengeist entsteht aus Gurken von der Insel Reichenau im Bodensee und schmeckt laut Faude wie der Biss in eine knackige Salatgurke. Heute zählt er ihn zu seinen Klassikern. Für den Rote Beete Geist liefert ein Landwirt aus Bötzingen junge Knollen, die im Badischen Rahne heißen. Sie kommen erntefrisch in den Alkohol und werden zügig abdestilliert, im Glas zeigen sich erdige und dunkelrote, fruchtige Töne. Die jungen Triebe für den Fichtensprossengeist stammen aus Bad Peterstal im Schwarzwald und werden im Frühsommer gepflückt. Für den Himbeergeist werden Gartenhimbeeren im Kaiserstuhl und in der Ortenau von Hand gepflückt und nur kurz mazeriert, damit keine bitteren Kernnoten übergehen.

Obsternte bei Faude feine Brände: Früchte werden unter einem Baum von Hand aufgesammelt

Die Italien-Connection

Ein Teil des Sortiments kommt aus dem Süden. Faudes Freund Giancarlo baut auf Sizilien Zitrusfrüchte an, unter anderem Mandarinen der Sorte Ciaculli unterhalb des Ätna. Aus Blutorangen der Sorte Tarocco entsteht die Blutorange aus Sizilien, ein Geist aus Frucht und Schale mit floralen Noten und einer Ahnung von Vanille. Dazu kommen die Mandarine aus Sizilien und die Bergamotte aus Kalabrien, deren Duft an Earl Grey erinnert. Der Zitronenlikör folgt dem Familienrezept von Faudes italienischer Schwiegermutter: Die Zitronen aus Sizilien werden einzeln geschält, nur die Schale zieht im hauseigenen Alkohol.

Whisky vom Bötzinger Acker

Ein Mann mit Strohhut prüft die Ähren in einem reifen Getreidefeld

Neuer im Programm ist Getreide, auf der Website heißt es knapp: „Der Faude macht jetzt in Getreide: Whisky & Korn.“ Roggen und Weizen bauen die beiden Landwirte Helmut Stoll und Alfred Maier Junior eigens für ihn auf Feldern in der Gemarkung Bötzingen an, die Adler Mühle im Nachbarort Bahlingen schrotet das volle Korn. Angesetzt wird ungemälzt als Rohfruchtmaische. Den Rohbrand macht Faude in der Pot Still, den Feinbrand in der Kolonne, den Mittellauf trennt er von Hand und nach Geruch ab. Danach reift der Whisky mindestens drei Jahre in Eichenfässern und kommt unfiltriert in die Flasche.

Daraus entstehen zwei Sorten. Der Roggen Whisky ist ein Straight Rye mit 48 % vol, den Faude als vollkornkräftig und würzig beschreibt, mit Noten von dunklem Sauerteigbrot, Kaffee und Karamell. Beim Whisky aus Roggen & Weizen, einem Double Grain mit 45 % vol, spielt Bötzinger Vollkornweizen die Hauptrolle, die Notizen nennen Brioche und frisch gemahlenes Müsli.

Liköre und ein Wermut aus Burgunder

Für die Fruchtliköre gilt bei Faude eine kurze Formel: „Hofeigener saisonfrischer Fruchtsaft, Alkohol, etwas Zucker. Sonst nichts.“ Der Sauerkirschlikör wird mit dem eigenen Kirschbrand angesetzt, der Rhabarberlikör entsteht aus der alten Sorte Holsteiner Blut und bleibt unfiltriert. Weiter findest du in unseren Likören den Schwarzen Johannisbeerlikör und den Grünen Walnusslikör, der ein Jahr in einem gebrauchten Sauternes-Fass liegt.

Vier Jahre ließ Faude die Idee für seinen Wermut reifen, im November 2024 kam er heraus. Die Basis sind Burgundersorten vom Kaiserstuhl, restsüß vergoren. Dazu kommen hauseigene Kräuterauszüge aus über zwölf Kräutern, Wurzeln und Gewürzen, darunter Wermutkraut, Tonkabohne, Zimtblüte und Bitterorange, abgerundet mit dunklem Karamellsirup. Wie Wermut entsteht und welche Stile es gibt, liest du in unserem Ratgeber Wermut.

So servierst du die Flaschen aus Bötzingen

Für den Gurkengeist schlägt Faude ein Gurke Tonic vor: ein Longdrinkglas mit Eis, 4 cl Gurkengeist, 10 cl Tonic Water, eine Scheibe Gurke und etwas Dill. Den Himbeergeist mixt er im Sommer zu einem Himbeermojito mit weißem Rum, frischem Limettensaft, weißem Zucker, Minze und Soda. Die Zitrusgeiste passen nach seinen Worten pur vor dem Dessert, in den Aperitif oder in einen Longdrink. Den Wermut trinkst du pur auf Eis, als Spritz oder im Negroni. Weitere klare Destillate aus kleinen Brennereien findest du bei unseren Bränden & Geisten. Alle Produkte geben wir nur an Personen ab 18 Jahren ab.

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Fotos: © Faude feine Brände / Felix Groteloh

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