Christina hat Kräuterkunde im Blut. Schon ihr Urgroßvater stellte Magenbitter in seinem Kolonialwarenladen her. Heute kreiert die Apothekerin mit Dr. Jaglas Kräuterelixiere auf innovative Weise und verleiht ihren Kreationen eine bittersüße Harmonie. Im Gespräch erzählt sie, wie aus einer alten Familienrezeptur eine Berliner Marke wurde, warum sie lieber in kleinen Chargen arbeitet und wie du ihre Elixiere am besten genießt.
Gespräch mit Dr. Christina Jagla
Christina, was genau ist ein Kräuterelixier?
Das Wort Elixier kommt aus dem Arabischen und steht für eine wertvolle Essenz. Viele unserer Kräuter haben eine lange Tradition in der europäischen Kräuterkultur – dazu gehören zum Beispiel Baldrian, Ginseng oder Zitwerwurzel. In Lebensmitteln und Getränken waren sie bisher kaum zu finden. Was wir machen, ist wirklich neu, und geschmacklich gibt es nichts Vergleichbares. Genau das macht unsere Elixiere so spannend.
Schon Dein Urgroßvater hat Magenbitter hergestellt. Wie hat sich die Tradition fortgesetzt?
Ja, mein Urgroßvater hatte einen Kolonialwarenladen und besaß eine mittelalterliche Kloster-Rezeptur. Daraus stellte er Kräuteressenzen für Familie, Freunde und Stammkunden her, die ein fester Bestandteil der regionalen Tradition waren. Mein Vater hat später Apotheker gelernt – und ich bin diesen Weg auch gegangen. In unserer Apotheke haben wir die Rezeptur über die letzten Jahrzehnte weiterentwickelt, und die Kräuter von damals bilden bis heute die Grundlage unserer Elixiere. Inzwischen destillieren wir aus unserem Kräuterbitter Golfers Ginseng-Elixier sogar einen Gin, den Dry GIN-seng. Es ist eine schöne Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – alte Rezepturen, mit modernem Wissen neu interpretiert.
Und mittlerweile ist Dr. Jaglas eine eigenständige Marke?
Vor sechs Jahren haben wir die Elixiere nur in der Apotheke verkauft. Mit der Gründung des Labels Dr. Jaglas in Berlin und einem neuen Auftritt konnten wir unsere Apotheker-Spezialitäten auch an Gastronomie, Feinkostläden und Concept Stores verkaufen. Darauf folgten neue Produkte wie unser Dry GIN-seng und ein alkoholfreier Hibiskus-Aperitif.
Was ist das Besondere an Dr. Jaglas Elixieren?
Wir extrahieren die Aromen der Kräuter in einem schonenden Verfahren. So entstehen komplexe, vielschichtige Geschmacksprofile, die in herkömmlichen Industrieprodukten kaum zu finden sind. Außerdem arbeiten wir mit hochwertigen Bio-Zutaten und kombinieren Kräuter und Früchte zu außergewöhnlichen Aromenpaaren.
Warum genau seid Ihr Bitter-Spezialisten?
Unsere Elixiere haben eine ausgeprägte Kräuternote mit Tiefe in den einzelnen Nuancen. Sie reichen von bitter bis süß und zeichnen sich durch große Reinheit aus. Die Kräuter, Wurzeln und Rinden, die wir verwenden, enthalten viele Bitterstoffe und ätherische Öle – sie tragen den Geschmack. Die Aromen steigen dir schon beim Öffnen der Flasche in die Nase und enden in einem extrem langen Abgang. Wichtig ist, wie bei einer Weinverkostung, das langsame Hin- und Herbewegen im vorderen Mundbereich, damit sich der volle Geschmack entfaltet. Außer unserem Hibiskus-Aperitif empfehlen wir das gesamte Sortiment pur.
Ihr seid im wahrsten Sinne des Wortes noch eine Manufaktur. Warum stellt Ihr Eure Elixiere in Handarbeit her?
Wir sind einfach Apotheker in einer Apotheke, die Rezepturen noch von Hand entwickeln und größtenteils auch selbst herstellen. Kräuterkunde ist ein großer Bestandteil des Pharmaziestudiums, und dieses Wissen fließt in jede Rezeptur ein.
Und inwiefern schmeckt Dr. Jaglas besonders intensiv?
Wir produzieren in kleinsten Chargen, dadurch ist der Geschmack extrem vollmundig. Bei einigen Elixieren reifen die Kräuter mehrere Wochen im Alkohol. So lösen sich ihre Aromen vollständig heraus und verbinden sich miteinander. Die Art der Zubereitung, Qualität und Transparenz sind uns besonders wichtig. Für unsere Mazerate verwenden wir Kräuter in geprüfter Qualität, deren Gehalt an Bitterstoffen und ätherischen Ölen kontrolliert wird.
Galgant, Tausendgüldenkraut und Zimtrinde – das klingt nach märchenhafter Kräuterküche. Oder arbeitest Du eher wissenschaftlich an Deinen Rezepturen?
Meine Arbeit ist auf jeden Fall wissenschaftliche Pflanzenkunde. Die Kräuter, die wir verwenden, wuchsen früher zu einem großen Teil in Klostergärten. Aus ihnen stellen wir verschiedene Tinkturen her, die die Basis unserer Kräuterelixiere bilden.
Gibt es ein Kraut, das Dir besonders am Herzen liegt?
Ganz klar die Artischocke, auch wenn sie genau genommen zum Bittergemüse zählt. Ihr ist unser Artischocken-Elixier gewidmet. Sehr spannend finde ich auch die Macawurzel: Sie schmeckt nussig und gibt unserem Maca Ginseng-Elixier seinen besonderen Charakter.
Euer Gin hat einen sehr hohen Alkoholgehalt. Warum?
Je höher der Alkoholgehalt, desto mehr Aromen können freigesetzt werden. Ich würde fast behaupten, dass wir in Deutschland den Gin mit dem höchsten Alkoholgehalt herstellen. Außerdem verwenden wir, anders als viele Gin-Hersteller, keinen Neutralalkohol, sondern Weizenalkohol, der siebenfach destilliert ist.
Welche Sorten gibt es?
Neben den Kräuterelixieren wie dem Artischocken-Elixier, dem Maca Ginseng-Elixier und dem Golfers Ginseng-Elixier gibt es unseren Dry GIN-seng. Und natürlich unsere alkoholfreien Aperitifs: den San Orangello mit Bitterorange, den San Limello und den San Pompello – die haben in den letzten Jahren wirklich begeistert.
Dr. Jaglas hat auch einen alkoholfreien Hibiskus-Aperitif im Sortiment?
Ja. Der Herbe Hibiskus ist eine tolle alkoholfreie Alternative zum klassischen Spritz. Wir verzichten gezielt auf Azofarbstoffe und haben eine Whiskynote eingebaut. Gearbeitet wird mit Apfel, Karotte, Färberdistel und Süßkartoffel. Mit Soda, Limette und Rosmarin wird daraus der Hibiskus Rosmarin.
Die Transparenz der Herkunft ist Dir wichtig. Woher bezieht Ihr die Kräuter?
Wenn wir können, beziehen wir die Kräuter regional – unsere Artischocken kommen zum Beispiel aus Schwebheim. Reinheit und Qualität stehen bei uns aber im Vordergrund. Manche Sorten wie Ginseng, Safran oder Zimtrinde bekommen wir in der nötigen Qualität nicht aus Deutschland. Für alle Kräuter gilt: Ihr Gehalt an typischen Geschmacksträgern wie Bitterstoffen und ätherischen Ölen wird überprüft.
Warum schließen Dr. Jaglas Elixiere eine Lücke auf dem Spirituosenmarkt?
Unsere Elixiere sind weniger süß als ein Kräuterlikör und nicht so bitter wie ein reiner Magenbitter. Sie liegen geschmacklich genau dazwischen und schmecken bittersüß. Dabei haben sie einen extrem langen und ausbalancierten Abgang. Das ist sicher der Grund, warum wir auch viele Sommeliers als Fans gewonnen haben. Mehr Kräuter- und Fruchtliköre aus kleinen Manufakturen findest du in unserer Kategorie Liköre.
Welche Pläne hast Du für die Zukunft?
Wir haben gerade erst unseren alkoholfreien Hibiskus-Aperitif auf den Markt gebracht. Er wird mit Tonic und Limette getrunken, als alkoholfreie Spritz-Variante. Das Elixier hat eingeschlagen wie eine Bombe, die Anfragen kommen aus aller Herren Länder – die ersten Lieferungen nach Aserbaidschan und Taiwan sind bereits raus. Weltweiter Export, vor allem unseres alkoholfreien Aperitifs, steht deshalb ganz oben auf unserer Agenda.
Wie genießt Du einen Dr. Jaglas am besten?
Alle Kräuterelixiere, unseren saisonalen Gewürzlikör und den Dry GIN-seng empfehlen wir pur. Der alkoholfreie Hibiskus-Aperitif eignet sich bestens als Basis für Drinks, zum Beispiel mit Tonic und Limette als Hibiskus Spritz. Und das Golfers Ginseng-Elixier ist eine schöne Basis für einen erfrischenden Golfers Ginseng-Elixier Tonic.
Was ist Dein Lieblingselixier, und hast Du eine Rezeptempfehlung?
Das kommt ganz auf die Gelegenheit an. Im Sommer passen unsere Elixiere vor dem Grillen hervorragend als Aperitif mit ein paar Eiswürfeln. Im Herbst und Winter sind sie der perfekte Digestif zum Gänsebraten oder zu einer Käseplatte. Unser Dry GIN-seng ist ein absolutes Genießerprodukt, das wir für besondere Anlässe empfehlen. Und der alkoholfreie Hibiskus-Aperitif passt zu jeder Tageszeit, allein oder in Gesellschaft.
Rezepte mit Dr. Jaglas
- Dr. Jaglas Negroni Maca Ginseng – mehr dazu im Beitrag Kräuterstark – Dr. Jaglas Negroni
- Dr. Jaglas Negroni Artischocke
- San-Limello-Spritz mit Apfel und Quitte – alkoholfrei, mehr dazu in Dolce Vita – Dr. Jaglas San Limello Spritz
Alle alkoholfreien Aperitifs und Gin-Alternativen findest du gesammelt unter Alkoholfreie Spirituosen.
Das Gespräch erschien im September 2021 in unserem Magazin. Pläne und Sortimentsangaben geben teilweise den damaligen Stand wieder.
Hinweis: In diesem Gespräch geht es um Herkunft, Herstellung und Geschmack der Elixiere. Aussagen zu gesundheitlichen Wirkungen von Lebensmitteln dürfen wir als Shop nach der EU-Health-Claims-Verordnung nicht treffen.