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Gin & Spirituosen

Gin Ratgeber

Simon
Gin Ratgeber

Gin ist eine destillierte Spirituose auf Wacholderbasis und aus der heutigen Barkultur nicht mehr wegzudenken. Er ist die Basis unzähliger Cocktails und des wohl bekanntesten Longdrinks der Welt: dem Gin & Tonic. In diesem Ratgeber erfährst du, woher Gin kommt, wie er hergestellt wird, welche Botanicals und Sorten es gibt, wie du ihn am besten trinkst und wie du ihn richtig lagerst.

Gin auf einen Blick
Art Spirituose mit vorherrschendem Wacholderaroma
Alkoholgehalt mindestens 37,5 % vol, meist 40 bis 47 % vol, Navy Strength ab 57 % vol
Basis neutraler Agraralkohol, meist aus Getreide, Kartoffeln oder Melasse
Pflicht-Botanical Wacholderbeeren
Typische Botanicals Koriander, Engelwurz, Zitrusschalen, Kardamom, Süßholz, Iriswurzel
Vorläufer Genever aus den Niederlanden
EU-Kategorien Gin, Destillierter Gin, London Gin

Gin in Kürze

  • Gin muss mindestens 37,5 % vol Alkohol haben. Die meisten Gins liegen zwischen 40 und 47 % vol, weil der Geschmack damit runder wird. Ab 57 % vol spricht die Barwelt von Navy Strength.
  • Die Basis ist in der Regel Alkohol aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen, sogenannter Agraralkohol aus Getreide oder Kartoffeln.
  • Laut EU-Spirituosenverordnung muss Gin spürbar nach Wacholder schmecken.
  • Neben der Wacholderbeere kommen meist weitere pflanzliche Zutaten dazu, die Botanicals. Eine Obergrenze gibt es nicht.
  • Gin ist in der Regel farblos. Ausnahmen sind fassgelagerte Sorten wie Reserve Gin, die sich gold-gelb bis braun färben, und Compound Gins, die leicht gelblich sind.
  • Weltweit gibt es heute schätzungsweise weit über 5.000 verschiedene Gins.

Die Geschichte des Gins

Auch wenn du Gin wahrscheinlich zuerst mit England verbindest: Seine Wurzeln liegen in den Niederlanden. Dort wurden schon im 16. Jahrhundert Wacholderbrände gebrannt, im 17. Jahrhundert entstand daraus der Genever (Jenever), ein malzig-aromatischer Vorgänger des heutigen Gins. Die Legende schreibt seine Erfindung dem Leidener Gelehrten Franciscus Sylvius zu, belegt ist der Wacholderschnaps aber schon deutlich früher.

Nach England kam der Genever über den Achtzigjährigen Krieg zwischen den Niederlanden und Spanien. Englische Soldaten, die an der Seite der Niederländer kämpften, fanden Gefallen am Wacholderdestillat und brachten es mit auf die Insel. Dort wurde aus dem langen Namen schließlich das kurze „Gin“.

Einen prominenten Fürsprecher fand der Gin in Wilhelm III. von Oranien-Nassau. Mit der Glorreichen Revolution 1688 kam der Niederländer auf den englischen Thron und brachte die Genever-Tradition mit. Weil Gin einfach und günstig herzustellen war, verbreitete er sich rasant. Das 18. Jahrhundert erlebte den sogenannten „Gin Craze“, eine Zeit massiver sozialer Probleme durch billigen Schnaps, die das englische Parlament erst 1751 mit strengen Gesetzen eindämmte.

Im 19. Jahrhundert ermöglichte die kontinuierliche Brennkolonne (Coffey Still) sehr reinen Alkohol. Daraus entwickelte sich der trockene London Dry Gin, der bis heute als Maßstab gilt. Die moderne Gin-Renaissance begann Anfang der 2000er-Jahre und hat tausende Marken hervorgebracht, von großen Herstellern bis zu kleinen Handwerksbrennereien. Mehr Details liest du in unserem Artikel über die Geschichte des Gins.

Wie wird Gin hergestellt?

Schritt 1: Den Alkohol aromatisieren

Die Basis der meisten Gins ist ein neutraler Alkohol aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Seinen Geschmack bekommt er durch die Botanicals. Dafür gibt es drei Verfahren:

  • Mazeration (Kaltauszug): Die zerkleinerten Botanicals werden direkt in den kalten Alkohol eingelegt, der vorher mit etwas Wasser verdünnt wird, weil sich manche Aromen in Wasser besser lösen. Dort ziehen sie einige Stunden bis mehrere Wochen, bis sie ihr Aroma abgegeben haben.
  • Perkolation oder Dampfinfusion: Der Alkohol wird erhitzt, und der aufsteigende Dampf strömt durch Siebe oder Körbe mit Botanicals. Dabei nimmt er deren Aromen auf. Die Geschmacksstoffe fallen feiner aus als bei der Mazeration, deshalb braucht es mehr Botanicals. Dafür lassen sich zarte Aromen einfangen, die im Kaltauszug zu kräftig würden.
  • Digestion (Heißauszug): Die Botanicals werden bei etwa 70 Grad zusammen mit dem Alkohol erwärmt. Wichtig ist die genaue Kontrolle der Temperatur: Wird das Gemisch zu schnell zu heiß, lösen sich unerwünschte Bitterstoffe.

Viele Brennereien kombinieren Mazeration und Dampfinfusion, um kräftige und zarte Aromen in ein ausgewogenes Gesamtbild zu bringen.

Glasgefäß mit Wacholderbeeren, Koriander und Orangenschale in klarem Alkohol

Schritt 2: Die Destillation

Liegen die Botanicals eingeweicht im Alkohol oder hängen sie in Körben darüber, beginnt der eigentliche Brennvorgang. In einer Brennblase aus Kupfer, der Pot Still, wird der Alkohol erhitzt, bis er verdampft. Der Dampf steigt auf, kühlt ab und verflüssigt sich wieder.

Der Brennmeister trennt dabei sorgfältig: Der Vorlauf enthält unerwünschte, leicht flüchtige Stoffe und Reste früherer Brände, der Nachlauf schmeckt zu bitter. Beide gehen zurück in die Brennblase. Abgefüllt wird nur der saubere Mittellauf, das Herzstück. Je nach Rezept wird einfach oder mehrfach gebrannt.

Gut zu wissen: Endet die Herstellung nach der Mazeration, entsteht ein Bathtub oder Compound Gin. Er wird nach dem Zugeben der Botanicals nicht mehr gebrannt und ist deshalb leicht gelblich.

Schritt 3: Herabsetzen auf Trinkstärke

Nach der Destillation hat der Gin noch einen sehr hohen Alkoholgehalt. Mit weichem Wasser wird er auf die gewünschte Trinkstärke gebracht, bei klassischen Gins etwa 40 bis 47 % vol, bei Navy Strength 57 % vol.

Schritt 4: Ruhen und Abfüllen

Damit sich Alkohol und Wasser gut verbinden, ruht der Gin vor dem Abfüllen eine Weile, meist in Edelstahltanks, Steingutbehältern oder direkt in der Flasche. Reserve Gin, auch Barrel Aged Gin genannt, reift dagegen in Holzfässern, häufig in ehemaligen Whisky- oder Brandyfässern. So bekommt er zusätzliche Aromen und eine dunklere Farbe.

Gin Botanicals: die Gewürze des Gins

Neben dem Grundalkohol besteht Gin vor allem aus Botanicals. So heißen alle pflanzlichen Zutaten wie Kräuter, Fruchtschalen, Samen, Wurzeln und Rinden. Der Begriff geht auf das griechische „botaniké“ zurück, die Lehre der Pflanzen.

Klassische Gins kommen meist mit 7 bis 10 Botanicals aus. In Deutschland dürften inzwischen 100 bis 200 verschiedene Botanicals im Einsatz sein. Pflicht ist nur der Wacholder. Besonders häufig verwendet werden:

  • Wacholder: harzig, frisch, leicht süß – das Herz jedes Gins
  • Koriander: zitrusartig und leicht blumig
  • Engelwurz (Angelikawurzel): erdig-trocken, verbindet die übrigen Aromen
  • Kardamom: süßlich-scharf mit Noten von Eukalyptus
  • Zitrusschalen: frisch und hell, klassisch von Orange und Zitrone
  • Ingwer: gut dosiert eine elegante Schärfe
  • Zimt, Anis und Fenchelsamen: warm, würzig und leicht süß

Welche Aromen die einzelnen Zutaten mitbringen und wie sie in den Gin gelangen, erklärt unser Ratgeber Gin Botanicals.

Welche Gin-Sorten gibt es?

Die EU-Spirituosenverordnung kennt drei Kategorien: Gin, Destillierter Gin und London Gin. Gins mit höchstens 0,1 g süßenden Zutaten je Liter dürfen den Zusatz „Dry“ tragen – daher die Bezeichnungen Dry Gin und London Dry Gin. Für alle gilt: mindestens 37,5 % vol, Agraralkohol als Basis und ein vorherrschendes Wacholderaroma. Der Sloe Gin taucht in der Verordnung zwar auf, zählt dort aber zu den Likören.

Daneben gibt es viele Stile ohne eigenen Rechtsschutz, an deren Begriffe sich die Hersteller aber weitgehend halten: New Western Dry Gin, Old Tom Gin, Navy Strength Gin, Reserve Gin, Compound bzw. Bathtub Gin und fruchtige Pink Gins. Mit dem Gin de Mahón und dem Vilnius Gin gibt es außerdem zwei Gins mit geschützter Herkunftsbezeichnung. Der Genever wird oft als eigene Gin-Sorte genannt, ist aber eigentlich der Vorgänger des Gins und eine eigenständige Spirituose.

Inzwischen hat sich auch die alkoholfreie Gin-Alternative etabliert. Sie wird oft ähnlich hergestellt, darf aber ohne Alkohol nicht „Gin“ heißen. Alle Unterschiede im Detail findest du in unserem Ratgeber Gin-Sorten.

Wie trinkst du Gin am besten?

Viele Gins schmecken auch pur, am häufigsten landen sie aber im Longdrink oder Cocktail. Diese Klassiker solltest du kennen:

Die beliebtesten Gin-Cocktails und Longdrinks

  • Gin & Tonic: Gin und Tonic Water im Verhältnis 1:1 bis 1:3 auf viel Eis. Je nach Gin passen Gurke, Zitrone oder Hibiskusblüten dazu.
  • Gin Basil Smash: In der Hamburger Bar „Le Lion“ erfunden und heute weltberühmt. Gin, frisches Basilikum, Zitronensaft und Zuckersirup ergeben einen leuchtend grünen Drink.
  • Tom Collins: Old Tom Gin, Zitronensaft und Zuckersirup auf Eis, aufgefüllt mit Soda – ein enger Verwandter des Gin Fizz.
  • Negroni: Gin, ein Bitter-Aperitif und roter Wermut zu gleichen Teilen. Unter Bar-Profis seit langem beliebt und kräftiger, als er aussieht.
  • Dry Martini: London Dry Gin mit „so wenig Wermut wie möglich“, serviert mit Olive oder Zitronenzeste in der Martinischale.
  • Gin Fizz: geschüttelter Sour, in dem frische Säure auf feine Süße trifft, mit Soda aufgefüllt.
  • French 75: Gin, Zitronensaft und Zucker, aufgegossen mit Champagner. Der Name geht auf ein französisches Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg zurück.
  • Gimlet: Gin und Limette, mal zu gleichen Teilen, mal sehr trocken, gerührt oder geschüttelt – ein verbindliches Rezept gibt es nicht.

Negroni im Tumbler mit Eiswürfel und Orangenzeste

Gin und Tonic: die perfekte Paarung

Beim Tonic Water entscheidet das Geschmacksprofil des Gins. Wacholderbetonte Gins wie ein London Dry harmonieren mit klassischem Indian Tonic. Fruchtige oder florale Gins passen gut zu einem milden Mediterranean Tonic, kräuterbetonte Gins zu Holunderblüten- oder Dry Tonic. Wer sein Tonic lieber selbst mischt, nimmt einen Tonic-Sirup und füllt mit Sprudelwasser auf.

Gin richtig verkosten

Du willst die Botanicals im Gin herausschmecken oder die Unterschiede der Sorten erkennen? In unserer Anleitung zum Gin Tasting zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie das funktioniert.

Aus welchem Glas trinkst du Gin?

Das Glas hängt davon ab, wie du deinen Gin servierst. Der klassische Gin & Tonic kommt ins hohe Longdrink- oder Highball-Glas, in Spanien gern auch ins große Ballonglas. Ein Negroni oder Basil Smash steht im Tumbler, der Dry Martini in der gleichnamigen Martinischale. Für Mule-Varianten ist der Kupferbecher beliebt. Zum Verkosten eignen sich kleine, tulpenförmige Gläser.

Haltbarkeit und Lagerung von Gin

Dank seines hohen Alkoholgehalts verdirbt Gin nicht. Ungeöffnet ist er nahezu unbegrenzt haltbar. Nach dem Öffnen verliert er mit der Zeit etwas Aroma, deshalb ist es sinnvoll, eine angebrochene Flasche innerhalb von ein bis zwei Jahren zu leeren.

Lagere Gin kühl, dunkel und stehend, nicht liegend wie Wein. Wird es zu warm, verdunstet der Alkohol schneller, und direktes Sonnenlicht schadet den feinen Aromen. Achte außerdem darauf, dass die Flasche fest verschlossen ist. Für sehr lange Lagerung sind 10 bis 20 Grad ideal, für den regelmäßigen Genuss ist der Schrank völlig in Ordnung.

Tipp: Keine Eiswürfel zur Hand? Ein Gin mit 40 % vol verträgt das Gefrierfach problemlos, denn er gefriert erst bei etwa minus 25 Grad. Gins mit deutlich weniger Alkohol und Gin-Liköre gehören nicht ins Eisfach.

Kurioses rund um Gin

Wo wird am meisten Gin getrunken?

Das Land mit dem größten Gin-Konsum sind die Philippinen. Der hohe Pro-Kopf-Verbrauch und die große Bevölkerung von über 100 Millionen Menschen sorgen für einen deutlichen Vorsprung. Beliebt ist dort der „Gin Pom“, ein Longdrink mit Pomelo- oder Grapefruitsaft. Auch der meistverkaufte Gin der Welt, Ginebra San Miguel, stammt von den Philippinen.

Wilder Wacholder

Der Gemeine Wacholder (Juniperus communis), Grundlage jedes echten Gins, wird kaum in Plantagen angebaut. Die Beeren werden in der Regel wild gepflückt, vor allem in Süd- und Osteuropa. Sie brauchen zwei bis drei Jahre, bis sie reif und blauschwarz sind.

Gin kaufen

In unserer Kategorie Gin findest du eine Auswahl besonderer Gins von kleinen Brennereien, etwa den Hoos London Gin aus Karlsruhe mit 15 Botanicals, den Windspiel Premium Dry Gin auf Kartoffelbasis aus der Vulkaneifel oder den Kakuzo Organic Dry Gin mit Yuzu und Tee. Wenn du dich erst einmal durch verschiedene Aromen probieren möchtest, starte mit einem klassischen London Dry und einem modernen, kräuter- oder fruchtbetonten Gin im direkten Vergleich.

Hinweis: Dieser Ratgeber dreht sich um Geschichte, Herstellung und Geschmack von Gin. Bitte genieß Alkohol verantwortungsvoll – alkoholische Getränke verkaufen wir nur an Personen ab 18 Jahren.

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