Gin ist nicht gleich Gin. Beim Kauf ist dir sicher schon aufgefallen, dass es eine ganze Menge verschiedener Gin-Sorten und Gin-Stile gibt. Dabei ist es nicht immer einfach, die Eigenschaften und Geschmacksrichtungen auseinanderzuhalten. Dieser Ratgeber gibt dir einen Überblick: welche Sorten rechtlich geschützt sind, welche Stile sich zusätzlich etabliert haben, was Genever und alkoholfreie Alternativen damit zu tun haben und welcher Gin in welchen Drink passt.
| Gin-Sorten auf einen Blick | |
|---|---|
| Gin | EU-Kategorie, Aromen dürfen zugesetzt werden |
| Destillierter Gin | EU-Kategorie, Botanicals werden mit dem Alkohol destilliert |
| London (Dry) Gin | strengste EU-Kategorie, keine Aromen oder Farbstoffe nach der Destillation |
| Sloe Gin | Schlehenlikör auf Gin-Basis, mindestens 25 % vol |
| New Western Dry Gin | moderner Stil, andere Botanicals rücken nach vorn |
| Old Tom Gin | historischer, leicht gesüßter Stil |
| Navy Strength Gin | besonders stark, ab 57 % vol |
| Reserve Gin | im Holzfass gereift, gold-gelb bis braun |
| Compound / Bathtub Gin | ohne Destillation aromatisiert, leicht gelblich |
| Geschützte Herkunft | Gin de Mahón, Vilnius Gin |
Welche Gin-Sorten gibt es?
In der EU gibt es eigentlich nur drei echte Gin-Sorten, die lebensmittelrechtlich geschützt sind. Dabei geht es weniger um den Geschmack – abgesehen von der vorgeschriebenen Wacholdernote – als um Qualität und Herstellungsweise.
Abseits dieser festgelegten Kategorien gibt es jedoch viele weitere Gin-Sorten, die sich teils deutlich in Geschmack und Herstellung unterscheiden. Sie sind nicht geschützt, die meisten Hersteller halten sich aber an die üblichen Verfahren und verwenden die Begriffe einheitlich.
Offizielle Gin-Sorten nach EU-Recht
Die europäische Spirituosenverordnung (EU) 2019/787 kennt drei Kategorien, die sich Gin nennen dürfen: Gin, Destillierter Gin und London Gin. Für alle gilt ein Mindestalkoholgehalt von 37,5 % vol. Die Basis ist Alkohol aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen, sogenannter Agraralkohol, etwa aus Getreide oder Kartoffeln. Außerdem muss der Wacholder geschmacklich vorherrschen.
Enthält ein Gin höchstens 0,1 g süßende Zutaten je Liter, darf er zusätzlich „Dry“ heißen. Daher kommen die bekannten Bezeichnungen Dry Gin und London Dry Gin.
Gin und Dry Gin
Die schlichteste Kategorie lässt den Herstellern die meisten Freiheiten. Neutraler Alkohol darf mit Wacholder und weiteren Aromen versetzt werden, eine Destillation mit den Botanicals ist nicht zwingend. Auch zugelassene Aromastoffe dürfen zu jedem Zeitpunkt dazukommen.
Der Dry Gin ist weltweit die beliebteste und bekannteste Spielart. Er schmeckt trocken mit deutlicher Wacholdernote, typische Botanicals sind Zitronen- oder Orangenschalen. Eine Auswahl findest du in unserer Kategorie Dry Gin, etwa den Windspiel Premium Dry Gin auf Kartoffelbasis oder den Wajos Botanical Gin mit 19 Botanicals.
- weltweit beliebteste Gin-Spielart
- deutliche Wacholdernote
- als „Dry“ höchstens 0,1 g süßende Zutaten je Liter
- Zusatz von Aromen erlaubt
Destillierter Gin (Distilled Gin)
Der Name ist etwas missverständlich, denn er klingt, als würden andere Gins nicht destilliert. Gemeint ist: Neutraler Agraralkohol wird gemeinsam mit Wacholderbeeren und meist weiteren Botanicals erneut destilliert. Nach der Destillation darf der Gin noch einmal aromatisiert werden, zum Beispiel mit zusätzlichen Aromen.
- Botanicals werden mit dem Alkohol destilliert
- nachträgliche Aromatisierung erlaubt
- deutliche Wacholdernote
London Gin und London Dry Gin
Der London Gin gilt als Klassiker und ist neben dem Dry Gin die beliebteste Sorte. Er ist aber deutlich strenger geregelt:
- Basis ist Agraralkohol mit mindestens 96 % vol
- Alle Aromen stammen aus der gemeinsamen Destillation mit natürlichen pflanzlichen Zutaten
- Nach der Destillation dürfen keine Aromen oder Farbstoffe mehr dazukommen
- Höchstens 0,1 g Zucker je Liter
- Mindestens 37,5 % vol Trinkstärke
- Der Wacholder muss geschmacklich dominieren
Sein Name ist historisch bedingt und hat nichts mit dem Herstellungsort zu tun. Solange die Regeln eingehalten werden, darf London Gin überall auf der Welt entstehen. Geschmacklich zeichnet ihn ein trockener, geradliniger Charakter aus, oft begleitet von Koriander, Kardamom oder Ingwer.
In unserer Kategorie London Dry Gin findest du zum Beispiel den Hoos London Gin aus Karlsruhe, den Gin de Cologne aus Köln-Ehrenfeld und den London Dry Gin 47 % der Deutschen Spirituosen Manufaktur. Wie Heiko Hoos klassische und moderne Gin-Ideen verbindet, erzählt er im Magazin-Gespräch Hoos London Gin.
Sloe Gin

Der Sloe Gin taucht zwar in der Verordnung auf, wird dort aber unter den Likören geführt. Genau genommen ist er ein Schlehenlikör. Dafür werden Schlehen mit Zucker in Gin eingelegt und ziehen mehrere Monate.
Mit mindestens 25 % vol, meist um 25 bis 30 % vol, hat Sloe Gin deutlich weniger Alkohol als echter Gin. Durch sein fruchtig-süßes Aroma schmeckt er gut pur, eignet sich aber auch für Variationen wie den Sloe Gin Fizz oder den Sloe Gin Tonic.
- süßer, fruchtiger Likör auf Schlehenbasis
- kein Gin im Sinne der EU-Spirituosenverordnung
- deutlich weniger Alkohol als Gin
- rötlicher bis violetter Farbton
Weitere Gin-Stile
Neben den drei offiziellen Kategorien haben sich viele weitere Bezeichnungen durchgesetzt. Sie sind nicht an eine Norm gebunden, trotzdem orientieren sich die meisten Produzenten an denselben Verfahren und geschmacklichen Merkmalen.
New Western Dry Gin
Der New Western Dry Gin, oft auch Contemporary Gin genannt, ist die moderne Interpretation des Klassikers. Er nimmt den Wacholder bewusst zurück und überlässt anderen Botanicals die Bühne: Zitrus, Kräuter, Früchte, Tee oder sogar Kaffee. Rechtlich gelten für ihn die Regeln für Gin oder Destillierten Gin, der Stil steckt allein in der Rezeptur.
Diese Freiheit schafft viel Raum für Experimente. Ein Beispiel ist der Kakuzo Organic Dry Gin mit Yuzu, Satsuma-Mandarine und Tee. New Western Gins schmecken oft schon pur und bereichern Cocktails mit ihrer Vielfalt.
- Wacholder tritt in den Hintergrund
- große geschmackliche Vielfalt
- gut pur und in kreativen Gin Tonics
Old Tom Gin
Der Ursprung des Old Tom Gins reicht in die frühen Tage der Gin-Herstellung zurück. Der Alkohol war damals oft von schlechter Qualität und schmeckte rau und bitter. Mit Zucker machten die Brenner ihn genießbarer. Bis heute ist der leicht gesüßte Stil in der Barszene beliebt, vor allem für klassische Cocktails wie den Tom Collins oder den Martinez.
- süßer als klassischer Gin
- historischer Vorgänger des trockenen London Dry
- ideal für klassische Cocktails
Navy Strength Gin
Genau genommen ist Navy Strength keine eigene Sorte, sondern steht für einen besonders hohen Alkoholgehalt von mindestens 57 % vol. Entstanden ist er bei der britischen Royal Navy, die Gin an Bord mitführte. Damit verschütteter Gin das ebenfalls gelagerte Schießpulver nicht unbrauchbar machte, musste er so stark sein, dass sich das getränkte Pulver noch entzünden ließ. Daher stammt auch der Name „Gunpowder Proof“.
Das Aroma ist deutlich intensiver als bei klassischen Gins. Navy Strength eignet sich deshalb für Cocktails, in denen der Gin klar durchschmecken soll, etwa im Negroni oder French 75.
- mindestens 57 % vol
- kräftiges, intensives Aroma
Reserve Gin und Barrel Aged Gin

Reserve oder Barrel Aged Gin ist meist ein klassischer Dry oder London Dry Gin, der nach der Herstellung in Holzfässern reift, häufig in ehemaligen Brandy- oder Whiskyfässern. Während der Lagerung gehen Aromen aus dem Holz auf den Gin über und sorgen für weiche, vanille- und holzartige Noten und viel Tiefe.
Auch die Farbe verändert sich: Je nach Fass und Dauer wird der Gin gold-gelb bis bräunlich. Daher stammt der Spitzname „Yellow Gin“. Die Lagerzeit reicht von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren.
- reift in Holzfässern
- komplexes, weiches Aroma
- Farbe zwischen gold-gelb und braun
Pink Gin und Flavoured Gin
Pink Gins und andere Flavoured Gins bekommen zusätzlich Fruchtaromen, etwa von Erdbeere, Himbeere, Rhabarber oder Grapefruit, oft mit etwas Zucker. Sie sind meist mild, fruchtig und gut für leichte Sommerdrinks mit Tonic. Beispiele sind der beerige Gin de Cologne Rosé und der Windspiel Pink Grapefruit Gin.
Bathtub Gin
Der Bathtub Gin, wörtlich Badewannen-Gin, entstand in den USA der 1920er-Jahre zur Zeit der Prohibition. So hießen damals alle Spirituosen, die unter eher unprofessionellen Bedingungen zu Hause entstanden. In der Badewanne wurde dabei nicht unbedingt gemischt: Oft brauchte es nur deren Wasserhahn, weil die großen Flaschen nicht unter die üblichen Wasserhähne passten.
Hergestellt wird Bathtub Gin, indem die Botanicals direkt in den Alkohol gegeben werden. Sie geben ihre Aromen per Auszug ab und werden nicht mitdestilliert. Wird danach nicht sauber gefiltert, verändert sich der Geschmack mit der Zeit weiter. Ohne Destillation ist der Gin meist leicht gelblich.
Compound Gin
Der Compound Gin ähnelt dem Bathtub Gin in Herstellung und Eigenschaften: Auch hier liegen die Botanicals direkt im neutralen Alkohol. Deshalb lässt er sich gut selbst herstellen – du brauchst nur guten Agraralkohol und passende Botanicals. Wie das geht, erklärt unser Ratgeber zu den Gin Botanicals.
Plymouth Gin
Plymouth Gin war lange eine geschützte Herkunftsbezeichnung aus der gleichnamigen Hafenstadt im Südwesten Englands. Heute stellt ihn nur noch eine einzige Brennerei in Plymouth her, die zugleich die Markenrechte hält. Im Vergleich zum London Dry gilt er als etwas weicher und runder, mit erdig-würzigen Noten und einem weniger dominanten Wacholder.
Gin-Sorten mit geschützter Herkunftsbezeichnung
Inzwischen gibt es für fast jede Großstadt einen eigenen Gin. Diese Namen sind jedoch nicht geschützt, und selbst der London Gin darf überall auf der Welt hergestellt werden. Zwei Gins tragen aber tatsächlich eine geschützte Herkunftsbezeichnung:
Gin de Mahón
Der Gin de Mahón darf ausschließlich in der gleichnamigen Hauptstadt Menorcas hergestellt werden. Seine Geschichte reicht in die Zeit zurück, als britische Seeleute auf der Insel stationiert waren. Anders als die meisten Gins basiert er traditionell auf Weinalkohol statt auf Getreidealkohol.
Vilnius Gin
Der Vilnius Gin (Vilnius Džinas) ist zugleich eingetragene Marke und geschützte Gin-Sorte. Er darf nur in Vilnius, der Hauptstadt Litauens, hergestellt werden.
Was unterscheidet Gin und Genever?
Genever ist keine Gin-Sorte, sondern eine eigenständige Wacholderspirituose aus den Niederlanden und Belgien. Er gilt als Vorläufer des Gins: Englische Soldaten lernten ihn im Achtzigjährigen Krieg kennen, nahmen ihn mit in ihre Heimat und kürzten den Namen zu „Gin“ ab. Genever trägt selbst eine geschützte Herkunftsbezeichnung. Mehr dazu liest du in unserem Artikel über die Geschichte des Gins.
Seine Herstellung ist aufwendiger als beim Gin:
- Zuerst wird ein sogenannter Malzwein (Moutwijn) aus einer Maische von Gerste, Roggen oder Weizen gebrannt.
- Getrennt davon werden Botanicals wie Wacholder, Kümmel, Koriander, Ingwer oder Hopfen mit Agraralkohol destilliert.
- Nach einer Lagerung wird der Malzwein mit dem Destillat verschnitten.
Genever wird wiederum in verschiedene Sorten unterteilt, die sich im Malzweinanteil, im Zuckergehalt und in der Lagerdauer unterscheiden. Er hat meist etwas weniger Alkohol als Gin und schmeckt voller, mit einem fast whiskyartigen Charakter.
Ist alkoholfreier Gin eine echte Gin-Sorte?
Genau genommen nicht. Getränke auf Wasserbasis dürfen laut EU-Verordnung nicht „Gin“ heißen. Die Hersteller arbeiten deshalb mit ähnlich klingenden Namen oder Zusätzen wie „Zero“ oder „alkoholfrei“. Sie versuchen, den Geschmack des Originals möglichst genau zu treffen, und nutzen dafür oft ähnliche Verfahren wie bei Gin: Botanicals werden mazeriert und destilliert.
Zum Pur-Trinken sind diese Alternativen nicht gedacht, mit Tonic und in Cocktails machen sie aber eine gute Figur. In unserer Kategorie Alkoholfreie Spirituosen findest du etwa Windspiel Alkoholfrei und Zero de Cologne.
Welcher Gin für welches Getränk?
- London Dry: universell für Gin & Tonic, Dry Martini und Negroni
- Old Tom: Tom Collins, Martinez und andere klassische Vintage-Cocktails
- Genever: pur auf Eis oder in klassischen Cocktails
- Navy Strength: Cocktails, in denen der Gin durchschmecken soll, etwa Negroni oder French 75
- New Western: kreative Gin Tonics mit passenden Tonics und Garnituren
- Sloe Gin: Sloe Gin Fizz, mit Prosecco oder Tonic – mehr Ideen in unseren Sloe-Gin-Cocktails
- Pink und Flavoured Gin: leichte Sommerdrinks mit Tonic
- Reserve Gin: pur auf Eis oder in dunklen, würzigen Cocktails
Gin-Sorten kaufen und probieren
In unserer Kategorie Gin findest du verschiedene Sorten von kleinen Brennereien. Wenn du die Unterschiede der Stile kennenlernen möchtest, probiere zwei oder drei Gins direkt nebeneinander. Wie du dabei vorgehst und worauf du achtest, zeigt unsere Anleitung zum Gin Tasting.
Hinweis: Dieser Ratgeber dreht sich um Herstellung, Geschmack und Verwendung von Gin. Bitte genieß Alkohol verantwortungsvoll – alkoholische Getränke verkaufen wir nur an Personen ab 18 Jahren.