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Campari

Negroni — der italienische Aperitivo-Klassiker

Simon
Negroni — der italienische Aperitivo-Klassiker

Der Negroni ist der italienische Aperitivo-Klassiker schlechthin: Gin, roter Wermut und Campari zu gleichen Teilen, auf Eis gerührt und mit Orange garniert. Herb, bitter, mit einem Hauch Süße – wer die Zubereitung beherrscht, mixt einen der besten Cocktails der Welt. Hier findest du das klassische Rezept, Tipps zum richtigen Mischverhältnis, zu Gin und Wermut, beliebte Varianten und die Geschichte des Drinks, der 2019 seinen 100. Geburtstag feierte.

Schnelle Fakten

  • Der Negroni ist ein Cocktail auf Basis von Gin, rotem Wermut und Campari.
  • Das klassische Mischverhältnis ist 1:1:1.
  • Als Garnitur dient eine halbe Orangenscheibe oder eine Orangenzeste.
  • Erfunden wurde er 1919 in Florenz für den Grafen Camillo Negroni.
  • Portionen: 1
  • Vorbereitungszeit: 5 Min.

Zutaten

Klassischer Negroni

  • 3 cl Gin (London Dry)
  • 3 cl roter Wermut
  • 3 cl Campari
  • Orangenzeste oder eine halbe Orangenscheibe
  • Eiswürfel, am besten ein großer Eiswürfel fürs Glas

Alternative zum Campari

Zubereitung

  1. Einen Tumbler im Gefrierfach oder mit Eiswasser vorkühlen.
  2. Gin, Wermut und Campari in ein Rührglas mit reichlich Eis geben.
  3. Mit dem Barlöffel gut kalt rühren – nicht schütteln.
  4. In den vorgekühlten Tumbler auf einen großen Eiswürfel abseihen.
  5. Mit Orangenzeste oder einer halben Orangenscheibe garnieren.

Ohne Rührglas geht es auch direkt im Glas: Alle Zutaten in einen mit Eis gefüllten Tumbler geben und vorsichtig mit dem Barlöffel umrühren.

Tipps

Ein großer Eiswürfel: Einen Negroni trinkst du eher langsam. Deshalb lohnt sich ein einzelner großer Eiswürfel im Glas – er schmilzt viel langsamer als viele kleine und verwässert den Drink nicht so schnell.

Experimentiere mit dem Wermut: Probier den Negroni unbedingt auch einmal mit einem trockenen Wermut. In der trockenen Variante schmeckt der Drink ganz anders – Experimentieren lohnt sich.

Was ist ein Negroni?

Der Negroni ist ein italienischer Aperitif-Klassiker auf Basis von Gin, rotem Wermut und Campari. Der Drink ist nichts für schwache Nerven, denn die herbe, kräftige Mischung aus drei Spirituosen hat es in sich. Über das Genusserlebnis entscheidet die perfekte Balance der Zutaten. Die Barszene ist sich einig: Richtig zubereitet gehört er zu den besten Cocktails überhaupt – und er wird immer beliebter.

Wie schmeckt ein Negroni?

Ein Negroni schmeckt in erster Linie herb. Dazu kommen fruchtig-frische, leicht bittere und säuerliche Noten mit einem Hauch Süße. Durch die drei Spirituosen hat der Cocktail eine deutliche Alkoholnote. Das komplexe Geschmacksprofil verbindet die Würze und Frische des Gins mit der Bitterkeit des Campari und der Süße des roten Wermuts. Die richtige Zubereitung bringt alle Komponenten in eine vollmundige Balance.

Für das echte italienische Geschmackserlebnis solltest du zuerst das klassische Rezept probieren. Varianten bei Wermut und Gin bieten sich danach je nach Geschmack an.

Das beste Mischverhältnis

Die 1:1:1-Regel lässt sich leicht merken und ist die Originalrezeptur der Cocktail-Legende. Das Mischverhältnis zu gleichen Teilen wird auch als Negroni-Style bezeichnet und stand Pate für viele andere Drinks.

Für Einsteiger ist ein klassischer Negroni oft zu bitter, denn an kräftige Bitteraromen gewöhnt sich der Gaumen erst mit der Zeit. Deshalb lohnt es sich, anfangs den Campari-Anteil zu verringern und Gin und Wermut im Verhältnis 2:2:1 zu mixen. Mit dem richtigen Gin gewinnt der Drink so an Fruchtigkeit. Auch in der Bar ist es völlig üblich, seinen Negroni individuell zu bestellen – damit outest du dich nicht als Laie, sondern als Kenner.

Welcher Gin passt zum Negroni?

Für einen Negroni empfiehlt sich ein klassischer Gin mit klarer Wacholdernote, etwa ein London Dry Gin wie der Hoos London Gin. Er hält gegen die Bitterkeit des Campari und die Süße des Wermuts. Süßere Stile wie Old Tom Gin oder sehr blumige New-Western-Gins harmonieren weniger gut mit dem ohnehin süßen Wermut. Gins mit markanten Zitrusnoten passen dagegen hervorragend. Wer es kräftig mag, nimmt einen Navy Strength Gin, der durch seinen hohen Alkoholgehalt mit dem Campari mithält und die Aromen intensiv transportiert. Mehr über die verschiedenen Stile erfährst du im Ratgeber Gin-Sorten.

Welcher Wermut passt zum Negroni?

Die klassische Rezeptur verwendet süßen roten Wermut, in Originalrezepten oft einfach als italienischer Wermut bezeichnet. Den aromatisierten Wein gibt es in zahlreichen Varianten mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen – hier lohnt es sich auszuprobieren, welche Aromen dir am meisten zusagen. Eine schöne Wahl ist zum Beispiel Helmut der Rote. Experimentierfreudige mixen den Negroni mit einem trockenen oder weißen Wermut und bekommen ein ganz neues Trinkerlebnis. Unsere Auswahl findest du in der Kategorie Wermut.

Wann trinkst du einen Negroni?

Als italienischer Aperitivo wird der Negroni klassisch vor dem Abendessen serviert, gern mit salzigen Kleinigkeiten wie Oliven, Nüssen oder Crostini. Seine herben Bitternoten passen geschmacklich gut zu würzigen Vorspeisen. Da drei Spirituosen im Glas sind, ist er ein kräftiger Drink, den du in Ruhe genießen solltest. Natürlich schmeckt ein Negroni auch zu späterer Stunde an der Bar.

Fertig gemixt kaufen

Den Negroni gibt es auch als trinkfertige Mischung. Eine besondere Variante ist a phenomenal NEGRONI our style von pHenomenal Drinks aus Hamburg – mit Doppelwacholder, italienischem Amaro und einer Hausmischung verschiedener Wermuts. Eine schöne Alternative für einen entspannten Feierabend.

Beliebte Varianten

Da ein Negroni mit drei Spirituosen kräftig ist, gibt es einige mildere Varianten. Traditionelle Abwandlungen sind der White Negroni, der Americano und der Boulevardier. Moderne Twists kreieren Bartender mit Sloe Gin, Himbeeressig oder anderen Bitterlikören.

  • Negroni Sbagliato: Prosecco statt Gin – leichter und perlend. Zum Rezept: Negroni Sbagliato
  • Boulevardier: Bourbon statt Gin – vollmundiger und süßer
  • Old Pal: mit Rye Whiskey und trockenem Wermut
  • Negrosky: Wodka statt Gin – milder wird der Drink dadurch allerdings nicht
  • Sloe Gin Negroni: fruchtig-herb mit Schlehen-Gin – zum Sloe Gin Negroni
  • Negroni mit Helmut: mit Wermut aus Deutschland – zum Negroni Helmut
  • Mit Kampot-Pfeffer: würzig-scharfer Twist – zum Windspiel Negroni mit Kampot-Pfeffer

White Negroni

Wer es sanfter mag, findet im deutlich milderen White Negroni eine gute Alternative. Statt Lillet verwenden neuere Varianten auch einen weißen Wermut, etwa den White Vermouth von apros, und eventuell einen Spritzer Orangenbitter.

  • 4,5 cl Gin
  • 4,5 cl Suze (Enzianlikör)
  • 3 cl Lillet Blanc
  • Zitronenzeste

Alle Zutaten in einem mit Eis gefüllten Rührglas langsam kalt rühren, in ein vorgekühltes Coupette-Glas abseihen und mit Zitronenzeste garnieren.

Americano

Ist dir die klassische Variante zu kräftig, trifft der Americano vielleicht eher deinen Geschmack. Er ist der direkte Vorgänger des Negroni und kommt ohne Gin aus – stattdessen gibt es einen Schuss Sodawasser.

  • 3 cl Campari
  • 3 cl roter Wermut
  • ein Schuss Sodawasser

Alle Zutaten in ein mit Eis gefülltes Glas geben und vorsichtig verrühren. Mit einer halben Orangenscheibe und einer Zitronenzeste garnieren.

Kurze Geschichte des Negroni

Der Negroni gilt als bitter-süßer Urgroßvater der Aperitivo-Familie. Um seine Entstehung ranken sich zahlreiche Geschichten. Der Florentiner Barkeeper und Autor Luca Picchi hat sie in Archiven erforscht und festgestellt, dass der Negroni zu den am besten dokumentierten Drinks überhaupt gehört.

Ein Graf als Cowboy

Graf Camillo Negroni lebte Ende des 19. Jahrhunderts abenteuerlustig in Amerika. Im Wilden Westen soll er als Cowboy und Kartenspieler durch die Saloons gezogen sein. Später wohnte er in New York und gehörte dort samt Zylinder und Schnurrbart zur besseren Gesellschaft – vermutlich entdeckte er hier seine Leidenschaft für Cocktails.

Gin statt Soda, bitte

Zurück in seiner Heimat trank der Graf im Herzen von Florenz regelmäßig in seiner Lieblingsbar, dem Caffè Casoni, einen Americano aus Campari, Wermut und Sodawasser. Eines Tages war ihm der Drink zu schwach, und er bat den Barkeeper Fosco Scarselli, ihn zu verstärken. Scarselli ließ das Soda weg, griff zur Ginflasche und ersetzte die Zitronen- durch eine Orangenzeste. So entstand 1919 der erste Negroni.

Lange erinnerte ein Schild am späteren Caffè Giacosa in der Via de' Tornabuoni an den Geburtsort des Negroni. Heute befindet sich dort ein Modegeschäft.

Über Kuba zurück nach Europa

In den späten 1920er-Jahren verbreitete sich der Aperitif in Europa, wurde aber noch nicht richtig populär. Gleichzeitig trieb die Prohibition amerikanische Touristen nach Kuba, wo die Bar- und Cocktailszene florierte. Eine der frühesten schriftlichen Erwähnungen eines Negroni-Rezepts findet sich auf der Karte der Bar La Florida in Havanna.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam der Cocktail in Europa wieder mehr Aufmerksamkeit. 1947 entdeckte der amerikanische Regisseur Orson Welles den Negroni in Rom und wurde zu einem seiner bekanntesten Fans.

Ein Klassiker mit zahlreichen Interpretationen

Die wachsende Bekanntheit inspirierte die Barwelt zu zahlreichen Variationen: Mit Bourbon, Tequila oder Wodka statt Gin entstanden Boulevardier, Tequroni und Negrosky. In den 1970er-Jahren griff ein Barkeeper in der Mailänder Bar Basso versehentlich zum Prosecco statt zum Gin – der Negroni Sbagliato, der „falsche“ Negroni, war geboren. Bis heute interpretieren Bartender den Klassiker auf immer neue Weise.

Interessante Fakten zum Negroni

Negroni Week

Seit 2013 veranstalten Campari und das Imbibe-Magazin die Negroni Week. Bars und Restaurants auf der ganzen Welt feiern dabei den italienischen Klassiker, und mit jedem verkauften Negroni geht eine Spende an wohltätige Organisationen. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Negroni Week.

Der 200-Liter-Rekord

Auf dem Festival Tales of the Cocktail mixten italienische Bartender 2011 den bis dahin größten Negroni der Welt: Mit Zylinder und Schnurrbart à la Graf Negroni mischten sie 114 Liter. 2018 übertrafen Wiener Bartender den Rekord und richteten 200 Liter Negroni in einem eigens angefertigten Glas an.

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