Ohne Botanicals gäbe es keinen Gin. Erst ihre Aromen machen aus einem neutralen Alkohol eine Spirituose mit Charakter. Bei den klassischen Gin-Sorten sind nur die Beeren des Wacholderstrauchs vorgeschrieben, sie geben dem Gin sein typisches Aroma. Hier erfährst du, was Botanicals genau sind, welche am häufigsten verwendet werden, wie ihre Aromen in den Gin kommen und wie du deinen Gin selbst mit Botanicals verfeinerst.
| Gin Botanicals auf einen Blick | |
|---|---|
| Was sie sind | pflanzliche Aromageber wie Kräuter, Fruchtschalen, Samen, Wurzeln und Rinden |
| Pflicht | Wacholderbeeren (Juniperus communis) |
| Klassische Begleiter | Koriander, Engelwurz, Zitrusschalen, Kardamom, Süßholz, Iriswurzel |
| Anzahl je Gin | meist 7 bis 10, von nur Wacholder bis zu mehreren Dutzend |
| Vielfalt | schätzungsweise 100 bis 200 verschiedene Botanicals allein bei Gins in Deutschland |
| Verfahren | Mazeration, Perkolation bzw. Dampfinfusion, Digestion |
Botanicals: die Gewürze des Gins
Für das englische Wort „Botanicals“ gibt es keine gute deutsche Übersetzung. Deshalb hat es sich auch bei uns eingebürgert, um die pflanzlichen Zutaten eines Gins zu beschreiben: Kräuter, Blüten, Fruchtschalen, Samen, Wurzeln, Rinden und mehr. Ursprünglich leitet sich die Bezeichnung vom griechischen Wort „botaniké“ ab, der Lehre der Pflanzen. Du könntest also sagen: Botanicals sind die Gewürze des Gins.
Außer dem Wacholder gibt es keine Vorgabe, wie viele Botanicals ein Gin enthalten muss. Manche Gins kommen ganz ohne weitere Aromen aus, andere vereinen mehrere Dutzend. Die lassen sich dann nicht alle einzeln herausschmecken, sorgen aber gemeinsam für ein rundes, vielschichtiges Geschmacksbild. Die meisten Gins verwenden zwischen 7 und 10 Botanicals. Mehr ist dabei nicht automatisch besser – die Kunst liegt in einer harmonischen Komposition.
Wie viele Gin Botanicals gibt es?
Allein bei den in Deutschland erhältlichen Gins dürften inzwischen 100 bis 200 verschiedene Botanicals im Einsatz sein. Darunter sind auch ausgefallene Zutaten wie Oliven, Seetang oder Meerrettich. Dem Einfallsreichtum der Brennereien sind kaum Grenzen gesetzt.
Ein paar Regeln gibt es trotzdem: Beim London Dry Gin dürfen ausschließlich natürliche pflanzliche Zutaten verwendet werden, die gemeinsam mit dem Alkohol destilliert werden. Bei einfachem Gin und Destilliertem Gin, zu denen auch die meisten Dry Gins gehören, dürfen dagegen zusätzlich Aromen zugesetzt werden.
Die wichtigsten Botanicals im Überblick
Trotz der enormen Vielfalt haben sich bestimmte Botanicals als besonders beliebt erwiesen. Diese solltest du kennen:

Wacholder (Juniperus communis)
Der Star unter den Botanicals und gesetzlich vorgeschrieben. Wacholder gibt dem Gin sein harzig-frisches, würzig-trockenes Aroma mit Noten von Tanne und Eukalyptus. Bei klassischen Gins steht er klar im Vordergrund, bei modernen Gins im New-Western-Stil darf er etwas zurücktreten.
Koriandersamen
Nach Wacholder das am häufigsten verwendete Botanical. Die Samen harmonieren sehr gut mit dem Wacholder und bringen ein fruchtiges, zitrusartiges, leicht blumiges Aroma mit, das an Zitronen und Orangen erinnert. Mehr über das Gewürz liest du in unserem Ratgeber Koriander.
Engelwurz (Angelikawurzel)
Die getrockneten Wurzeln der Engelwurz verleihen dem Gin ein trockenes, erdig-würziges und leicht moschusartiges Aroma. Sie gelten als Bindeglied, das die übrigen Aromen zusammenhält.
Iriswurzel
Sanft, blumig und leicht parfümiert. Die Iriswurzel bindet flüchtige Aromen und sorgt dafür, dass sich die einzelnen Noten im Glas länger halten.
Zitrusschalen
Getrocknete Schalen von Zitronen, Orangen, Limetten oder Grapefruit bringen frische, helle, süß-säuerliche Aromen in den Gin. Klassisch sind Orangen- und Zitronenschalen.
Kardamom
Neben Wacholder und Koriander steckt Kardamom in fast jedem klassischen Gin. Er sorgt für ein süßlich-scharfes, leicht zitrusartiges Aroma, das an Eukalyptus oder Menthol erinnert. Alles über die „Königin der Gewürze“ findest du im Ratgeber Grüner Kardamom.
Süßholz (Lakritzwurzel)
Nicht jeder mag Lakritz, deshalb weichen manche Hersteller auf den zweiten Namen „Süßholz“ aus. Die Wurzel verleiht dem Gin Süße, Tiefe und ein leichtes Anisaroma.
Zimt und Kassia
Die getrockneten Rinden des Zimtbaums oder der verwandten Kassia geben dem Gin eine warme, würzig-trockene und leicht süße Note.
Pfeffer und Kubebenpfeffer
Pfefferkörner bringen Schärfe und Komplexität. Besonders beliebt ist der Kubebenpfeffer mit seinem frischen, leicht harzigen Aroma. Welche Sorten es gibt, zeigt unser Ratgeber Pfeffer.
Anis und Sternanis
Anis und Sternanis schmecken lakritzartig-süß. Sternanis verleiht dem Gin außerdem eine pikante, leicht pfeffrige Note. Er ist etwas milder als Anis und botanisch nicht mit ihm verwandt.
Fenchelsamen
Fenchel sorgt für ein grasiges, feinherbes und leicht süßes Aroma mit Anisnote.
Ingwer
Ingwer ist ein anspruchsvolles Botanical: Zu viel davon dominiert sofort. Gut dosiert verleiht er dem Gin eine elegante Schärfe.
Rosmarin und Thymian
Beide zählen nicht zu den klassischen Botanicals, sind aber beliebt, um einem Gin eine mediterrane Note zu geben. Rosmarin bringt harzige Frische, Thymian eine würzig-kräutrige Tiefe.
Schlehen
Die Früchte des Schlehdorns, englisch Sloe, sind die Basis des Sloe Gin. Sie geben ihm seinen fruchtig-herben, leicht süßen Geschmack und die rötliche Farbe. Ideen für Drinks damit findest du in unseren Sloe-Gin-Cocktails.
Mandel, Gurke und Rosenblüten
Mandeln geben eine cremige, leicht nussige Note. Gurke und Rosenblüten wurden durch moderne Gins bekannt und sorgen für frische bzw. blumig-parfümierte Akzente.
Regionale Botanicals
Viele moderne Gins setzen auf Zutaten aus ihrer Heimat: Holunder, Tannenwipfel, Heidekraut, Hagebutte oder Hopfen. Wie ein fränkischer Gin mit Hopfen entsteht, erzählt eine Brennerei in unserem Magazin-Beitrag Franken Gin mit Hopfennote.
Ebenfalls häufig im Einsatz sind Kalmus, Kreuzkümmel, Kümmel, Lavendel, Lorbeer, Mädesüß, Muskat, Paradieskörner und rote Beeren.
Welche Arten von Botanicals gibt es?
Grob lassen sich Botanicals in vier Gruppen einteilen:
- Kräuter und Blätter: Rosmarin, Thymian, Lavendel, Lorbeer, Basilikum
- Beeren und Früchte: Wacholder, Schlehen, Hagebutte, Zitrusschalen
- Samen, Körner und Hülsen: Koriander, Kardamom, Fenchel, Paradieskörner
- Wurzeln und Rinden: Engelwurz, Iriswurzel, Süßholz, Zimt, Kassia
Wie kommen die Aromen in den Gin?
Die Botanicals werden zunächst getrocknet und zerkleinert. Anschließend bringen die Brennereien sie mit einem Neutralalkohol aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Getreide oder Kartoffeln zusammen. Dafür gibt es mehrere Wege:
- Mazeration: Beim Kaltauszug werden die Botanicals direkt in den Alkohol eingelegt und ziehen dort einige Stunden bis mehrere Wochen. Danach wird die Mischung meist gemeinsam destilliert.
- Perkolation bzw. Dampfinfusion: Die Botanicals hängen in Körben oder auf Sieben über dem Alkohol. Der aufsteigende heiße Alkoholdampf nimmt ihre Aromen mit.
- Digestion: Seltener genutzt wird der Heißauszug, bei dem die Botanicals bei etwa 70 Grad mit dem Alkohol erwärmt werden.
- One-Shot oder Multi-Shot: Manche Brennereien destillieren ein stark aromatisiertes Konzentrat und verschneiden es danach mit weiterem Neutralalkohol.
Übrigens: Bei der Dampfinfusion fallen die Aromen feiner aus. Viele Hersteller kombinieren deshalb beide Verfahren, um kräftige Botanicals besser in ein rundes Gesamtaroma einzubinden. Wie die Herstellung Schritt für Schritt abläuft, erklärt unser Gin Ratgeber.
Wann die Botanicals dazukommen: Regeln je Sorte
Bei den klassischen Gin-Sorten regelt die EU-Spirituosenverordnung, wie mit den Botanicals umgegangen werden darf:
- Gin und Dry Gin: Neben den Botanicals dürfen auch zugelassene Aromen zugesetzt werden, und zwar zu jedem Zeitpunkt. Entscheidend ist, dass der Wacholder deutlich erkennbar bleibt.
- Destillierter Gin: Der Alkohol wird mit Wacholder und weiteren Botanicals destilliert. Danach dürfen weitere Aromen dazukommen.
- London (Dry) Gin: Die strengste Kategorie. Alle Aromen müssen aus der gemeinsamen Destillation mit natürlichen pflanzlichen Zutaten stammen. Nachträgliche Aromen und Farbstoffe sind verboten, Zucker ist nur in winzigen Mengen bis 0,1 g je Liter erlaubt.
- New Western Dry Gin: Kein eigener Rechtsbegriff, sondern ein Stil. Rechtlich gelten die Regeln für Gin oder Destillierten Gin. In der Rezeptur dürfen andere Botanicals deutlich stärker zur Geltung kommen.
Was die einzelnen Sorten sonst noch unterscheidet, liest du im Ratgeber Gin-Sorten.
Gibt es Gin ohne Botanicals?
Ganz ohne geht es nicht, sonst hättest du nur geschmacksneutralen Alkohol vor dir. Es gibt aber Gins, die außer dem vorgeschriebenen Wacholder keine weiteren Botanicals enthalten. Trotzdem können sie sich deutlich unterscheiden, denn dann spielen die Wacholdersorte und der Grundalkohol eine viel größere Rolle. Die Vielschichtigkeit, die erst das Zusammenspiel mehrerer Botanicals schafft, fehlt diesen Gins allerdings.
Gin mit Botanicals verfeinern

Du kannst deinen Gin ganz einfach mit weiteren Botanicals aufpeppen, egal ob du ihn pur oder als Gin & Tonic trinkst. Ist dir die Wacholdernote zu schwach, gib ein paar angedrückte Wacholderbeeren ins Glas und lass sie kurz ziehen. Rosen- oder Hibiskusblüten bringen eine florale Note, ein Zweig Rosmarin oder Thymian eine kräutrige. Magst du es frischer, sind Gurkenscheiben, Grapefruit- oder Zitronenzesten eine gute Wahl. Für herbstliche Varianten passen auch Zimt und Sternanis.
Gin mit Gewürzen selbst ansetzen
Auch einen eigenen Gin kannst du mit Botanicals recht einfach herstellen. Weil er nicht mehr gebrannt wird, spricht die Barwelt hier von Compound oder Bathtub Gin. Als Basis eignen sich Wacholderbeeren, Koriandersamen und etwas Zitrusschale, dazu kommen nach Lust und Laune weitere Gewürze und Kräuter.
- Botanicals leicht andrücken und in ein sauberes Glas mit Neutralalkohol wie Wodka geben
- 24 bis 48 Stunden dunkel ziehen lassen und zwischendurch probieren
- Durch ein feines Sieb oder einen Kaffeefilter gründlich abseihen
- Dunkel und gut verschlossen aufbewahren
Halte die Mengen klein und verwende nur Zutaten in Lebensmittelqualität. Wichtig ist das gründliche Filtern: Bleiben Botanicals im Alkohol, geben sie immer weiter Aroma ab, und der Geschmack verändert sich. Durch die fehlende Destillation bekommt selbst angesetzter Gin einen leicht gelblichen Farbton.
Gins mit besonderen Botanicals
Weltweit gibt es inzwischen weit über 5.000 Gins, und viele Hersteller heben sich mit ungewöhnlichen Botanicals ab. Einige Beispiele aus unserer Kategorie Gin:
- Windspiel Caxambu Kaffee Gin: Wacholder, Koriander, Zitrone, Lavendel und Zimtrinde treffen auf ein Destillat aus hell geröstetem Arabica-Kaffee
- Wajos BBQ Gin: Wacholder mit Rosmarin und Chili, rauchig-würzig
- Kakuzo Organic Dry Gin: Wacholder, Koriander und Lemongras mit Yuzu, Satsuma-Mandarine und einem Teeblend
- DSM London Dry Gin 47 %: gut drei Dutzend Botanicals von Kardamom über Muskat bis Lavendel
Noch mehr ungewöhnliche Kreationen stellen wir dir im Magazin unter Außergewöhnliche Gin-Kreationen vor.
Wie findest du einen Gin mit Botanicals, die dir schmecken?
Starte am besten mit klassischen Sorten wie Dry Gin und London Dry Gin. So bekommst du ein Gefühl für die gängigen Aromen rund um den Wacholder. Im nächsten Schritt probierst du ausgefallenere Gins im New-Western-Stil, bei denen der Wacholder mehr Platz für andere Botanicals lässt.
Interessiert dich ein bestimmtes Aroma, wähle einen Gin, der genau darauf ausgerichtet ist, etwa auf Kaffee, Pfeffer, Kräuter oder Zitrus. Und wenn du die Botanicals gezielt herausschmecken willst, hilft dir unsere Anleitung zum Gin Tasting.
Hinweis: Dieser Ratgeber dreht sich um Herkunft, Geschmack und Verwendung der Botanicals. Bitte genieß Alkohol verantwortungsvoll – alkoholische Getränke verkaufen wir nur an Personen ab 18 Jahren.