Thymian, Hibiskus, Muskat oder Bergamotte: Neben der klassischen Wacholderbeere besitzt Gin eine vielschichtige Aromenwelt. In Deutschland gibt es inzwischen über 250 Gin-Marken, und jede hat ihr eigenes Geschmacksprofil. Brennmeister halten ihre Rezepturen streng geheim und verraten oft nur einen Teil ihrer Botanicals. Wenn du dich näher mit Gin beschäftigst, gibt es also viel zu entdecken. Mit dieser Anleitung zeigen wir dir, wie du dich der Aromenwelt des Gins Schritt für Schritt näherst.
| Gin Tasting auf einen Blick | |
|---|---|
| Anzahl Gins | 4 bis 6, idealerweise unterschiedliche Stile |
| Glas | tulpenförmiges Verkostungsglas, Sherry- oder kleines Weinglas |
| Menge je Probe | etwa 2 cl |
| Reihenfolge | von mild zu intensiv, von floral zu kräftig |
| Ablauf | Optik, Nase, Gaumen, Abgang, mit Wasser, mit Tonic |
| Zum Neutralisieren | stilles Wasser, Weißbrot oder neutrale Cracker |
Wacholder zuerst: klassische Sorten für den Anfang
Bei Gin geht es wie bei Wein vor allem um Geschmack, und nicht jede Aromenrichtung sagt jedem zu. An der Wacholderbeere kommst du dabei nicht vorbei: Laut EU-Spirituosenverordnung muss die Wacholdernote in jedem Gin vorherrschen. Moderne Gins im New-Western-Stil nehmen sie bewusst etwas zurück und lassen anderen Aromen wie Kaffee, Pfeffer oder Früchten mehr Raum.
Als Einsteiger beschäftigst du dich am besten zuerst mit der Wacholdernote, die im London Dry Gin, Dry Gin und Destillierten Gin deutlich hervortritt. Gins mit wenigen Botanicals machen es dir leichter, die übrigen Aromen herauszuschmecken. Lass dich dabei nicht entmutigen: Selbst Profis erkennen bei einem Gin mit 50 Botanicals nur 10 bis 15 einzelne Aromen. Welche Sorten es gibt, erklärt unser Ratgeber Gin-Sorten.
Deinen Geruchs- und Geschmackssinn trainierst du am besten, indem du verschiedene Gins im direkten Vergleich probierst. So lernst du schnell, Kategorien wie würzig oder blumig zu unterscheiden. Es dauert eine Weile, bis deine Nase geschult ist – aber es macht jede Menge Spaß.
Vorbereitung eines Gin Tastings
- 4 bis 6 verschiedene Gins auswählen, idealerweise unterschiedliche Stile wie London Dry, New Western, fruchtig und kräuterbetont
- Tulpenförmige Gläser: Verkostungs-, Sherry-, Grappa- oder kleine Weingläser bündeln die Aromen
- Stilles Wasser zum Neutralisieren und zum Verdünnen
- Weißbrot oder neutrale Cracker für die Pausen zwischen den Proben
- Notizblock für deine Eindrücke
Spül die Gläser vor dem Einschenken mit kaltem Wasser aus. So vermeidest du Staub, Schrankgeruch oder andere Fehlaromen, die das Ergebnis verfälschen.
Gin Tasting Ablauf: So probierst du Gin richtig
Schritt 1: Optisch prüfen
Achte auf Klarheit, Reinheit und Viskosität. Gins sind in der Regel klar und farblos. Manche, etwa fassgereifte Reserve Gins oder Gins mit besonderen Botanicals, zeigen feine Farbnuancen.
Schritt 2: Den Gin atmen lassen
Erst ab etwa 2 cl im Glas kommen die Aromen richtig zur Geltung. Halte das Glas leicht schräg und schwenke es, sodass der Gin die Ränder benetzt. Dabei verbinden sich die Aromen mit Sauerstoff und entfalten ihre volle Intensität. Lass den Gin insgesamt ein bis zwei Minuten atmen.
Schritt 3: Nosing
Mit dem Riechen, dem Nosing, beginnt das eigentliche Gin-Erlebnis. Riech zuerst aus etwas Abstand: Erkennst du den Wacholder? Welche anderen Düfte fallen dir auf – Zitrus, Kräuter, Blüten, Gewürze? Geh dann näher heran und versuche, einzelne Botanicals zu unterscheiden. Profis riechen dabei mit offenem oder geschlossenem Mund, langsam oder stoßweise.
Schritt 4: Am Gaumen
Nimm einen kleinen Schluck. Zuerst schmeckst du vor allem den Alkohol, der bei einem guten Gin rund und nicht spritig schmecken sollte. Beim zweiten Schluck öffnen sich die Geschmacksknospen, und du nimmst die Aromen deutlicher wahr. Lass ihn langsam im Mund kreisen.
Vielschichtige Gins entfalten ihre Aromen in Phasen: Wacholder meist vorn, die übrigen Botanicals im Mittelteil. Versuch zuerst, einzelne Aromen zu erkennen, und achte dann auf ihr Zusammenspiel. Fachleute bewerten die Intensität der Aromen auf einer Skala von 1 bis 5. Auch das Mundgefühl – schwer oder leicht – und die Textur – wässrig oder ölig – prägen den Geschmack.
Schritt 5: Der Abgang
Im Abgang, dem Finish, kann ein Gin noch einmal ganz neue Aromen zeigen. Manche Aromen bleiben lange am Gaumen, andere verfliegen schnell. Weniger komplexe Gins haben kaum einen Abgang.
Schritt 6: Mit Wasser verdünnen
Ein paar Tropfen stilles Wasser öffnen den Gin und lassen die Botanicals klarer hervortreten. Probier den Unterschied zur puren Probe direkt aus.

Schritt 7: Mit Tonic kombinieren
Zum Schluss mischst du jeden Gin mit Tonic Water, klassisch im Verhältnis 1:3 oder 1:4. Verschiedene Tonics bringen unterschiedliche Seiten eines Gins zum Vorschein: Mediterranean Tonic passt zu floralen Gins, klassisches Indian Tonic zu trockenen Dry-Stilen. Wie der perfekte Longdrink gelingt, liest du im Rezept Gin & Tonic.
Gut zu wissen: Eiswürfel kühlen den Gin, können seine Aromen aber auch verwässern. Probier ihn beim Tasting deshalb pur und ohne Eis, und genieße einen Gin on the rocks direkt nach dem Einschenken.
Botanicals erkennen: Geruch und Geschmack schulen
Wacholder – das Herzstück
Wie schmeckt eigentlich Wacholder? Zerreib eine Wacholderbeere zwischen den Fingern. Dabei lösen sich ätherische Öle, die harzig, fruchtig, frisch und leicht süß duften. Beißt du hinein, schmeckst du leichte Bitternoten. Diese Aromen erkennst du beim nächsten Tasting bestimmt wieder.
Je nach Sorte tritt die Wacholdernote dominant oder zurückhaltend auf. Dazu kommen Gewürze, Kräuter, Wurzeln, Früchte und Blüten, meist zwischen 10 und 50 verschiedene. Die Zahl der Botanicals sagt aber nichts über die Qualität aus. Entscheidend sind Zusammenspiel und Mengenverhältnis. Mehr über die einzelnen Aromageber erfährst du im Ratgeber Gin Botanicals.
Aroma-Kategorien für Einsteiger
- Wacholder: harzig, fruchtig, frisch
- Fruchtig: Zitrus- und andere Fruchtnoten
- Würzig: Schärfe, zum Beispiel von Pfeffer, Ingwer und Zimt
- Floral: Blüten, zum Beispiel Hibiskus oder Lavendel
- Süß: Süßholz und süßliche Gewürze
Tipp: Wirf am Anfang einen Blick aufs Etikett. Die aufgeführten Botanicals helfen dir, den Aromen auf die Spur zu kommen. Mit der Zeit erkennst du sie dann von allein.

Aroma-Kategorien für Fortgeschrittene
Geübte Gin-Fans ordnen die Aromen feiner ein. Viele Botanicals haben dabei mehrere Eigenschaften zugleich: Wacholder schmeckt harzig und fruchtig, Zimt scharf und süß. Apfel bringt volle fruchtige Noten, Beeren schmecken oft schwer und herb. Diese Kategorien helfen dir weiter:
- Harzig: Wacholder, Pinie, Latschenkiefer
- Würzig: Muskat, Sternanis, Zimt, Koriander
- Erdig: Angelikawurzel
- Scharf: Ingwer, Pfeffer, Zimt, Kardamom
- Süß: Süßholz, Süßfenchel, Vanille
- Zitrus: Zitrone, Orange, Grapefruit, Bergamotte
- Fruchtig: Apfel, Schlehe, Beerenfrüchte
- Floral: Jasmin, Lavendel, Kamille, Veilchen, Hibiskus
- Grasig: Fenchel, Kümmel, Mädesüß
- Kräutrig: Rosmarin, Thymian, Salbei, Lorbeer, Majoran
- Mundgefühl: leicht, schwer, kratzig, scharf
- Textur: wässrig, ölig, moussierend
Gin-Sorten für dein Tasting
London Dry Gin, Dry Gin und Destillierter Gin sind die Klassiker mit deutlicher Wacholdernote. Der London Dry Gin ist dabei am strengsten geregelt, ähnlich einem Reinheitsgebot. Ein gutes Beispiel ist der Hoos London Gin mit 15 Botanicals, angeführt von Wacholder und Kiefernsprossen.
Old Tom Gin schmeckt dank etwas Zucker lieblicher und runder. Für Einsteiger, die sich erst an die dominante Wacholdernote gewöhnen möchten, ist er eine milde Alternative.
Plymouth Gin gilt als weicher und runder als ein London Dry, mit erdig-würzigem Charakter und weniger dominantem Wacholder.
New Western Gins rücken den Wacholder in den Hintergrund. Hier haben die Hersteller viel Spielraum, was zu spannenden Kreationen mit Kaffee, Pfeffer oder Tee führt. Oft schmecken sie würzig, fruchtig und floral.
Navy Strength Gin hat mindestens 57 % vol und entsprechend intensive Aromen mit dominantem Wacholder. Für Einsteiger ist er weniger geeignet, als kräftige Basis für Longdrinks und Cocktails aber ideal.
Reserve Gin reift nach der Destillation in Holzfässern und bekommt dadurch zusätzliche Aromen und ein tiefes, vielschichtiges Bouquet.
Eine Auswahl verschiedener Stile findest du in unserer Kategorie Gin.
Tipps für ein gelungenes Tasting
- Reihenfolge: von mild zu intensiv, von floral zu kräftig
- Pausen einbauen: zwischendurch Wasser trinken und etwas Brot essen
- Notizen machen: Farbe, Nase, Geschmack, Abgang – jedes Detail hilft beim späteren Vergleich
- Gemeinsam diskutieren: Aromen nimmt jeder anders wahr
Zum Abschluss passt ein Klassiker wie der Negroni oder ein Gin Basil Smash. Und wenn du mehr über Herkunft und Herstellung wissen willst, lies weiter in unserem Gin Ratgeber.
Hinweis: Bitte genieß Alkohol verantwortungsvoll – alkoholische Getränke verkaufen wir nur an Personen ab 18 Jahren.