Eignet sich Olivenöl zum Braten? Die Frage taucht in deutschen Küchen immer wieder auf. Ein Blick in den Mittelmeerraum klärt schnell auf: Olivenöl wird dort als täglicher Allrounder zum Dünsten, Braten und Backen verwendet. Dabei schmeckt das Pflanzenöl nicht nur gut, sondern bietet auch praktische Vorteile in der Küche. Hier erfährst du, welches Olivenöl in die Pfanne gehört, worauf du beim Rauchpunkt achten solltest und wie das Braten und Frittieren gelingt.
Die Fettsäuren bestimmen die Hitzestabilität von Speiseölen
Speiseöle und Fette setzen sich je nach Sorte aus gesättigten, einfach ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren zusammen. Unter Hitze verändern sich ihre Strukturen – wie schnell, hängt von dieser Zusammensetzung ab.
- Tierische Fette wie Schmalz oder Butterschmalz bestehen zu einem großen Teil aus gesättigten Fettsäuren. Sie sind sehr hitzestabil und eignen sich zum scharfen Anbraten.
- Mehrfach ungesättigte Fettsäuren verändern sich schon bei geringeren Temperaturen. Öle mit einem hohen Anteil davon, etwa Leinöl, beginnen früh zu rauchen und gehören deshalb nicht in die Pfanne.
- Einfach ungesättigte Fettsäuren bieten dem Sauerstoff beim Braten nur einen Angriffspunkt und sind deshalb besonders hitzestabil – und gerade davon hat Olivenöl viel.
Das macht natives Olivenöl extra erstaunlich gut geeignet zum Braten bei mittleren Temperaturen. Bei sehr hoher Hitze (über 180 Grad) verändert sich allerdings der Charakter spürbar – feine Aromen verflüchtigen sich. Für hocherhitztes Braten gibt es speziell raffinierte Olivenöle.
Welches Olivenöl eignet sich zum Braten?
Natives Olivenöl extra ist in der Regel gefiltert und eignet sich zum Dünsten, Braten, Frittieren und Backen. Achte darauf, dass du zum Erhitzen nur gefiltertes, klares Olivenöl verwendest. Naturtrübe, ungefilterte Öle enthalten noch Fruchtwasser und kleine Fruchtstückchen, die in der heißen Pfanne schnell verbrennen – sie gehören in die kalte Küche.
Auch bei klaren Ölen lohnt ein Blick auf den Charakter: Intensive Frühernte-Öle mit kräftiger Bitterkeit und Schärfe spielen ihr Aroma pur am besten aus, über Salat, Brot oder dem fertigen Teller. Für die Pfanne reicht ein solides, fruchtiges Öl wie das EVOO Natives Olivenöl extra von Wajos. Woran du gutes Öl erkennst, liest du im Ratgeber Olivenöl-Qualität erkennen.
Den Rauchpunkt beachten
Der Rauchpunkt bezeichnet die Temperatur, bei der ein Öl sichtbar zu rauchen beginnt, weil sich Bestandteile wie Wasser und freie Fettsäuren verflüchtigen und das Öl sich zersetzt.
- Natives Olivenöl extra, gefiltert: Rauchpunkt um 180 Grad – zum Braten bei mittlerer Hitze geeignet
- Natives Olivenöl, ungefiltert: Rauchpunkt um 130 Grad – nur für die kalte Küche
- Raffinierte Öle: Rauchpunkt über 200 Grad
Wichtig: Raucht das Öl und riecht es stechend, ist es zu heiß. Brich den Bratvorgang ab, entsorge Öl und Bratgut und fang mit frischem Öl neu an.
Raffiniertes oder natives Olivenöl?
Raffinierte Speiseöle werden mit Wärme behandelt und chemisch gereinigt. Sie sind grundsätzlich hitzestabiler als kaltgepresste Öle, verlieren dabei aber weitgehend Farbe, Duft und Geschmack. Kaltgepresste Speiseöle haben je nach Sorte einen Rauchpunkt zwischen 120 und 190 Grad. Hochwertige Olivenöl-Hersteller betonen ihre Qualität deshalb gern in Abgrenzung zu raffinierten Ölen. Für das normale Braten in der heimischen Küche reicht ein gefiltertes natives Olivenöl extra völlig aus.
Welche Öle wofür?
| Öl | Empfohlene Verwendung |
|---|---|
| Olivenöl extra vergine (kaltgepresst, gefiltert) | Salate, Dressings, kalt über Speisen, Dünsten und Braten bei mittlerer Hitze bis etwa 160 Grad |
| Olivenöl extra vergine (naturtrüb) | nur kalt |
| Olivenöl raffiniert | Braten, Anbraten, Frittieren bis 200 Grad |
| Rapsöl (raffiniert) | Braten, Backen |
| Sonnenblumenöl (high oleic) | Braten |
| Kokosöl | Asiatische Küche, Backen |
| Butterschmalz / Ghee | Hohes Anbraten, Steaks |
| Leinöl, Walnussöl, Hanföl | Niemals erhitzen – nur kalt |
Mehr zu den kalten Spezialitäten liest du in den Ratgebern zu Walnussöl und Hanföl. Weitere Öle für Pfanne und Salat findest du in unserer Kategorie Kern-, Nuss- & Bratöle.

Vorteile beim Braten mit Olivenöl
- Aroma: Olivenöl bringt eine feine, fruchtige Note ans Bratgut – besonders bei Gemüse, Fisch und Kartoffeln.
- Stabilität: Natürliche Begleitstoffe wie die bitteren Polyphenole schützen das Öl selbst vor der Reaktion mit Sauerstoff. So bleibt es in der Pfanne vergleichsweise lange stabil.
- Knusprige Kruste: Mit Olivenöl bildet sich schnell eine goldbraune Kruste. Fleisch und Gemüse schließen sich früher und saugen sich weniger mit Fett voll.
- Vielseitigkeit: Ein einziges Öl für Pfanne, Ofen und Salat
Gut zu wissen: Je bitterer ein Olivenöl schmeckt, desto mehr dieser Polyphenole enthält es. Das Herstellungsverfahren entscheidet, wie viel davon im Öl ankommt. Mehr dazu erfährst du im Ratgeber Warum schmeckt Olivenöl bitter?
Trotzdem gilt: Halte die Bratzeit möglichst kurz, damit das Aroma erhalten bleibt. Wenn du Fleisch sehr scharf anbraten möchtest, greif lieber zu Butterschmalz oder einem raffinierten Öl. In der Mikrowelle verliert Olivenöl schnell an Aroma.

Praxis-Tipps für die Küche
- Erst das Öl, dann das Bratgut: Gib Fleisch, Fisch oder Gemüse erst ins heiße Öl. So entstehen Röstaromen, und das Bratgut nimmt weniger Fett auf.
- Der Kochlöffel-Test: Halte den Stiel eines Holzkochlöffels ins Öl. Steigen kleine Bläschen auf, ist es heiß genug.
- Genug Öl nehmen: Der Pfannenboden sollte gut bedeckt sein, damit der Garvorgang nicht ins Stocken gerät.
- Pfanne nicht zu heiß werden lassen: Wenn Öl raucht, ist es zu heiß – raus damit und neu anfangen.
- Öl aromatisieren: Knoblauch, ein Zweig Rosmarin oder Thymian und etwas Chili kurz im warmen Öl ziehen lassen und vor dem Braten wieder herausnehmen, sonst verbrennen sie.
- Bratfett nur einmal verwenden: Durch wiederholtes Abkühlen und Erhitzen wird das Öl dunkel, raucht früher und schmeckt alt.
- Olivenöl auch zum Backen: Es verleiht Brot, Fladenbrot und mediterranen Kuchen einen besonderen Charakter. Auch Ofengemüse wie gebackener Blumenkohl profitiert von einem guten Schuss Öl.
- Geschmack zuerst: Hochwertiges Olivenöl extra vergine wird am besten kalt verwendet, um sein volles Aroma zu erleben.
- Sortenvielfalt: Es gibt fruchtige, milde und kräftig-bittere Olivenöle – probier dich durch und finde deine Favoriten.
Ein schönes Beispiel aus der Pfanne sind Bratkartoffeln im Asian Style – auch sie kannst du in Olivenöl goldbraun braten.

Frittieren mit Olivenöl
Auch zum Frittieren kannst du gefiltertes Olivenöl verwenden – in Spanien und Italien ist das ganz selbstverständlich. Beim Frittieren liegen die Temperaturen üblicherweise zwischen 140 und 190 Grad. Für Olivenöl empfehlen sich 160 bis 170 Grad. Das Frittiergut bekommt so eine knusprige, goldene Kruste, und das Öl bleibt unterhalb seines Rauchpunkts. Typische Beispiele sind frittierte Zucchini, Sardellen, Kroketten oder kleine Fischstücke. Ein Küchenthermometer hilft, die Temperatur im Blick zu behalten.
Aufbewahrung
Olivenöl mag es dunkel, kühl und gut verschlossen. Direktes Sonnenlicht verkürzt die Haltbarkeit erheblich. Nach dem Öffnen am besten innerhalb von 6 bis 9 Monaten verbrauchen, damit das volle Aroma erhalten bleibt. Eine Auswahl an Ölen findest du in unserer Kategorie Olivenöl.
Hinweis: In diesem Ratgeber geht es um Herkunft, Geschmack und Verwendung in der Küche. Aussagen zu gesundheitlichen Wirkungen von Lebensmitteln dürfen wir als Shop nach der EU-Health-Claims-Verordnung nicht treffen.