Schon Kleopatra soll Essig für ihre Schönheit genutzt haben. Heute wird für kosmetische Zwecke vor allem Apfelessig verwendet. Wir zeigen dir die klassischen Hausmittel-Tricks – rein traditionell und kulturhistorisch betrachtet – und erzählen, welche Rolle Essig früher in der Schönheitspflege spielte und wo er heute seine größten Stärken hat: in der Küche.
Essig und Schönheit – eine lange Geschichte
Essig gehört zu den ältesten Erzeugnissen der Menschheit und war über Jahrtausende fester Bestandteil des Alltags. Um Kleopatra ranken sich gleich mehrere Essig-Geschichten. Die bekannteste erzählt der römische Schriftsteller Plinius: Die ägyptische Königin soll mit Marcus Antonius gewettet haben, sie könne das teuerste Gastmahl aller Zeiten ausrichten. Sie löste eine kostbare Perle in Essig auf und trank sie – und gewann die Wette. Ob sich das wirklich so zugetragen hat, ist offen. Die Legende zeigt aber, welchen Stellenwert Essig schon in der Antike hatte.
Parfümierte Essige und die erste „Vinaigrette“
Im 18. und 19. Jahrhundert waren in Europa sogenannte Toilettenessige in Mode: Essige, die mit Kräutern, Blüten und Gewürzen aromatisiert und als Duftwasser verwendet wurden. Wer es sich leisten konnte, trug ein kleines Riechdöschen bei sich, in dem ein mit aromatischem Essig getränktes Schwämmchen steckte. Diese Döschen hießen Vinaigrette – vom französischen vinaigre für Essig. Denselben Wortstamm trägt die Salatsauce, die heute auf dem Teller landet, etwa als klassische Vinaigrette nach Grundrezept.
Tipp: Apfelessig statt anderer Sorten
Für die meisten Anwendungen empfiehlt sich naturbelassener Apfelessig. Wer den natürlichen Charakter des Produkts nutzen möchte, sollte auf ungeschwefelte und nicht erhitzte Sorten zurückgreifen. Für den Putzschrank ist dagegen einfacher Tafelessig die richtige Wahl – mehr dazu in unserem Ratgeber Essig im Haushalt.
Traditionelle Anwendungen
Apfelessig-Spülung für die Haare
Eine alte Hausmittel-Tradition: Nach dem Haarewaschen 1 EL Apfelessig in 1 Liter lauwarmes Wasser geben und als finale Spülung verwenden. Soll für glänzende Haare sorgen – ein klassisches Großmutter-Rezept.
Essig-Fußbad
Ein traditionelles Wohlfühl-Ritual: ein Schuss Apfelessig in eine Schüssel mit warmem Wasser, Füße 10–15 Minuten baden, danach gut abtrocknen.
Essigwasser zum Abschminken (klassisch)
Ein verdünntes Apfelessigwasser (1 EL auf 250 ml Wasser) wurde in alten Hausmittel-Sammlungen als Gesichtswasser empfohlen. Wenn du es ausprobieren möchtest, teste vorher an einer kleinen Hautstelle, ob deine Haut die milde Säure verträgt.
Wichtige Hinweise
- Apfelessig immer verdünnen – pur kann er die Haut reizen
- Bei empfindlicher Haut, Hautproblemen oder Unsicherheit: erst Hausärztin oder Hautärztin fragen
- Bei Kontakt mit den Augen sofort gründlich mit Wasser spülen
- Niemals Essigessenz verwenden – ihre Säure ist viel zu konzentriert
- Kein Wundermittel – wenn etwas nicht überzeugt, einfach lassen

Naturbelassener Apfelessig – was steckt drin?
Naturbelassener Apfelessig wird aus Äpfeln gewonnen, gärt natürlich und wird nicht erhitzt. Er hat eine leicht trübe Erscheinung – das ist die sogenannte Essigmutter, ein Zeichen für naturbelassene Qualität.
Vom Apfel zum Essig
Am Anfang steht frisch gepresster Apfelsaft. Hefen verwandeln seinen Fruchtzucker in Alkohol – es entsteht Apfelwein. Im zweiten Schritt wandeln Essigsäurebakterien den Alkohol mithilfe von Sauerstoff in Essigsäure um. Je nach Verfahren dauert das wenige Tage bis mehrere Wochen. Anschließend darf der Essig reifen und wird dabei runder und milder. Wird er zum Schluss nicht gefiltert und nicht erhitzt, bleibt er naturtrüb.
Die Essigmutter selbst ist eine geleeartige Ansammlung von Essigsäurebakterien. Sie kann sich in naturbelassenem Essig auch nachträglich in der Flasche bilden, vor allem bei Wärme. Das ist kein Mangel: Wer die Fäden aus optischen Gründen nicht mag, gießt den Essig einfach durch ein feines Sieb. Wie du Apfelessig aus Saft oder Apfelresten selbst ansetzt, zeigt unser Rezept Apfelessig selber machen.
Naturtrüb oder klar?
Klarer Apfelessig wird gefiltert und ist geschmacklich etwas zurückhaltender. Naturtrüber Apfelessig schmeckt fruchtiger und voller nach Apfel. Beide Varianten gibt es zum Beispiel von Dr. Höhl's aus Hessen: den BioEss Apfelessig naturtrüb und den BioEss Apfelessig klar. Wie dort Essig gemacht wird, erzählt unser Beitrag Apfelessig aus Hessen – Dr. Höhl's im Gespräch.
Wo Apfelessig wirklich glänzt: in der Küche
Seine größten Stärken spielt Apfelessig am Herd und auf dem Salatteller aus. Er ist fruchtig-mild, lässt sich vielseitig kombinieren und passt zu Blattsalaten, Krautsalat, Kartoffelsalat, eingelegtem Gemüse und Obst. Ein paar Ideen:
- Dressings: zum Beispiel das Apfelessig-Leinöl-Dressing oder ein klassisches Honig-Senf-Dressing
- Erfrischung: die Apfelessig-Limonade für heiße Tage
- Schmorgerichte: ein Schuss zum Schluss bringt Säure und Frische in Rotkohl oder Linsen
- Eingelegtes: Gurken, Zwiebeln oder Kürbis mit Apfelessig süßsauer einmachen
Weitere Sorten wie Himbeer-, Quitten- oder Johannisbeeressig stellt unser Ratgeber Obstessig vor. Eine große Auswahl findest du in unserer Kategorie Obstessig & Fruchtessig.

Duftende Kräuteressige selbst ansetzen
Die Idee der aromatisierten Essige von damals lebt in der Küche weiter: Kräuteressig ist schnell gemacht und eine schöne Würze für Salate, helle Saucen und Marinaden. Gib ein paar Zweige frische Kräuter wie Thymian, Rosmarin, Salbei oder Estragon in eine saubere Flasche und füll sie mit mildem Apfel- oder Weißweinessig auf. Die Kräuter sollten vollständig bedeckt sein. Nach zwei bis drei Wochen an einem kühlen, dunklen Ort hat der Essig ihr Aroma angenommen – dann die Kräuter herausnehmen und den Essig abfüllen.
Wer es lieber fertig mag: Kräuter- und Gewürzessige wie den Bio Bärlauchessig von ezzich findest du bei uns in der Kategorie Weitere Essigspezialitäten. Alles Wissenswerte zu Herstellung, Sorten und Verwendung liest du im großen Essig-Ratgeber.
Hinweis: In diesem Ratgeber geht es um Geschichte, Herstellung und kulinarische Verwendung von Essig. Aussagen zu gesundheitlichen Wirkungen von Lebensmitteln dürfen wir als Shop nach der EU-Health-Claims-Verordnung nicht treffen.